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Veröffentlicht am 16.03.2018  Geschrieben von Torsten Bornemann

Ratgeber: Erste Hilfe in der Kita

Kitas müssen darauf vorbereitet sein, wenn sich ein Kind in der Kita verletzt. Was aus rechtlicher Sicht zu tun ist, erklärt Meine Kita-Experte Torsten Bornemann.
Ob eine kleine Schnittverletzung mit der Bastelschere oder ein aufgeschlagenes Knie – in Kitas muss die Erstversorgung sichergestellt sein. Hierzu bestehen – präventiv wie nach einem Unfall – je nach Verletzung Vorgaben, die vom Träger der Ein­richtung umzusetzen und sicherzustellen sind. Erster Ansprechpartner für Präventivmaßnahmen sind die zustän­digen Unfallversicherungsträger. Diese haben den gesetzlichen Auftrag, für die erforderliche Aus- und Fortbildung zum Thema Erste Hilfe zu sor­gen. Sie bieten außerdem nützliche Handreichun­gen und Checklisten für die Einrichtung.
 
Die Erste Hilfe-Ausstattung in der Kita
Die Einrichtung muss über ein jederzeit zugängliches Telefon mit Namen und Rufnummern von Ersthelfern wie Arztpraxen, Rettungsleitstellen oder auch einer Taxizentrale verfügen, über aktuelles Verbandmaterial, das der DIN-Norm entspricht, und über ein Verbandbuch, in dem Vorfälle und Erste-Hilfe-Leistungen festgehalten werden. Erste-Hilfe- Utensilien und die Aufbewahrungsorte der Materialien sind mit einem weißen Kreuz auf grünem Grund zu kennzeichnen.
 
Personell muss gemäß den gültigen Unfallverhütungsvor­schriften bei mehr als 20 Versicherten – dazu zählen Kinder und Betreuer – grundsätzlich ein Ersthelfer je Kindergruppe zur Verfügung stehen. Ersthelfer dürfen nur Personen sein, die eine Ausbildung zur Ersten Hilfe bei einer Stelle gemacht haben, die von dem Unfallversicherungsträger ermächtigt ist, oder über eine sanitätsdienstliche Ausbildung verfügen, oder eine abgeschlossene Ausbildung in einem Beruf des
 Gesundheitswesens haben. Ersthelfer müssen sich alle zwei Jahre fortbilden. Der Ersthelfer muss dem Träger die Fortbildungen nachweisen. Je nach Gefährdungslage können weitergehende zusätzliche Aus- und Fortbildungen notwendig sein. Die Unfallversi­cherungsträger unterstützen die Träger bei einer Risikoanalyse.
 
Was tun im Notfall?
Bei einem Unfall muss jeder Erste Hilfe leisten, wie Beatmen oder eine Blutung stillen. Wegen der vertraglich übernommenen Obhut in der Einrichtung haben die Betreuer darüber hinaus die besondere Verpflichtung, alle zumutbaren Maßnahmen zu treffen, um vermeidbaren Schaden für das betroffene Kind abzuwenden. Im Falle eines Unfalls entscheidet zunächst die anwesende Aufsichtsperson, welche Maßnahmen, gegebenenfalls zeitnah, zu treffen sind. Auch leichte Fälle sind dabei ins Verbandbuch einzutragen. Dies dient bei nicht vorhergesehenen Spätfol­gen, zum Beispiel einer Entzündung, dazu, gegebenenfalls eine Verbindung zur Ausgangsverletzung und so einen et­waigen Versicherungsfall feststellen zu können. Wichtig sind folgende Angaben:
  • Zeit, Ort, Hergang des Unfalls
  • Art und Umfang der Verletzung
  • Zeit, Art und Weise der Erste-Hilfe-Maßnahmen
  • Namen des Kindes
  • Zeugen
  • Namen des Ersthelfers
 
Diese Aufzeichnungen müssen mindestens fünf Jahre archiviert werden. In der Praxis hat sich mittlerweile eine Aufbe­wahrung über zehn Jahre etabliert.

In schwerwiegenden Fällen müssen die Erzieher den Rettungsdienst, die Eltern und auch den Arbeitgeber informieren. Eine ärztliche Konsultation sollte nach Möglichkeit unter Einbeziehung der Eltern erfolgen. Erst wenn diese nicht erreichbar sind oder große Gefahr besteht, ist ohne diese ein Arzt hinzuzuziehen. Welche Sofortmaßnahmen einzuleiten sind, hängt immer von der Schwere der Verletzung im Einzelfall
ab. Die Entscheidung des Aufsichtspersonals sollte sich danach ausrichten, was sie bei dem eigenen Kind machen würden.
 
Unfallanzeige und Durchgangsarzt
Bei kleineren Verletzungen, bei denen ein Arztbesuch nicht notwendig ist, kann es genügen, wenn die Eltern am gleichen Tag über die Erste-Hilfe-Maßnahmen informiert werden. Soweit ärztliche Hilfe notwendig war, muss für den Versicherungsträger eine Unfallanzeige auf den amtlichen Formularen ausgefüllt und zugestellt werden. Bei der Auswahl der Ärzte kann es sein, dass das Kind zu einem sogenannten Durchgangsarzt muss, da es sich um einen Versicherungsfall in der gesetzlichen Unfallversicherung handelt und die Krankenversicherung des betreuten Kindes nicht zuständig ist. Dann ist auch die Chipkarte der Krankenkasse nicht notwendig. Bei den Durchgangsärzten handelt es sich um fachlich für Arbeitsunfälle besonders qualifizierte Ärzte, die von den Trägern der gesetzlichen Unfallversicherung zugelassen sind. Auskünfte zur nächstgelegenen Durchgangsarztpraxis geben die Unfallversicherungsträger. In schweren Fällen, wenn ein Rettungsdienst hinzugezogen wurde, entscheidet der Notarzt über die nächsten Maßnahmen. Wenn für den Transport zu einem Arzt ein Taxi gerufen wird, sollte auf die Formulare der Unfallversicherung für derartige Fahraufträge zurückgegriffen werden. In diesen Fällen rechnet das Taxiunternehmen direkt mit der Unfallkasse ab und die Erzieher müssen kein Geld auslegen.
 
Der Unfall ist durch den Träger binnen drei Tagen, nachdem dieser von dem Unfall Kenntnis erhalten hat, anzuzeigen. Die Leitung der Einrichtung muss sicherstellen, dass jeder Unfall auch intern gemeldet wird. Schon alleine deshalb, um Maßnahmen zu treffen, mit denen künftig Unfälle vermieden werden können.
 

DER AUTOR
Rechtsanwalt Torsten Bornemanngibt in jeder Ausgabe von Meine Kita Antworten auf rechtliche Fragen aus dem Kita-Alltag.


Foto: Gajus/Shutterstock

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