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Für die Praxis › Sprache & Gemeinschaft
Veröffentlicht am 19.03.2018  Geschrieben von nifbe

Ort der Vielfalt, Ort der Sicherheit - Teil 2

Damit Eltern und Kinder ankommen und sich in der Kita willkommen fühlen, braucht es viel Empathie, Kommunikationswillen und geregelte Strukturen. Für die pädagogischen Fachkräfte gibt es dabei einiges zu beachten.
Geflüchtete Familien haben in ihrer Heimat alles zurück gelassen und auf ihrem Weg in ein sicheres Land eventuell schreckliche Erfahrungen gemacht. Nun sind sie in einem Land angekommen, in dem Vieles fremd ist: die Sprache, die Kultur, die Institutionen wie zum Beispiel auch frühkindliche Bildungseinrichtungen. Zudem ist ihre Zukunft in diesem Land oftmals unsicher und ungeklärt.

Umso wichtiger ist es, dass sich Eltern und Kinder in der Kita gut aufgenommen fühlen, dass Sie als pädagogische Fachkraft ihnen mit Offenheit, Geduld, Respekt und Empathie begegnen. Nehmen Sie sich Zeit, um sie kennen zu lernen und etwas über ihre Kultur und Fluchtgeschichte zu erfahren, ohne die Familien zu bedrängen. Neben dieser grundsätzlichen Haltung können schon kleine Gesten zu einer Willkommenskultur beitragen: mehrsprachige Begrüßungen im Eingangsbereich der Kita, vertraute Lebensmittel am Frühstückstisch, vertraute Bilder und Lieder aus den Herkunftsländern.
 
Insbesondere weil Kinder mit Fluchterfahrung häufig noch einen ungeklärten Aufenthalts-Status haben und unter anstrengenden Bedingungen leben, brauchen sie die Kita als sicheren Ort. Wichtig sind in einer Pädagogik des sicheren Ortes, neben verlässlichen Bezugspersonen, geregelte Strukturen und Rituale im Tagesablauf, die den Kindern das Gefühl von Zuverlässigkeit und Beständigkeit geben. So können die Kinder dabei unterstützt werden, ihr ins Wanken geratenes Selbst- und Weltbild wieder zu festigen. Zusätzliche Sicherheit können auch vertraute Anker aus der Heimat bieten: Speisen, Worte, Bilder, Lieder. Überraschende Situationsänderungen und vielfältige Wahl- und Entscheidungsmöglichkeiten hingegen können zu Überforderung führen.
 
Eine der größten Herausforderungen für die pädagogischen Fachkräfte in der Kita im Umgang mit geflüchteten Eltern und ihren Kindern ist sicherlich die Überwindung der Sprachbarrieren. Für den Erstkontakt und andere wichtige Gespräche sind bei Verständigungsschwierigkeiten professionelle Dolmetscher unabdingbar und die Träger in der Pflicht, diese entsprechend zu finanzieren. Für andere Gelegenheiten können aber auch mehrsprachige Kollegen oder Eltern anderer Kinder Übersetzungshilfe leisten.

Mittlerweile können pädagogische Fachkräfte darüber hinaus auf vielfältige und häufig sogar kostenlose Materialien für die Kommunikation mit geflüchteten Familien zurückgreifen: Piktogramme, Willkommens-ABC, Erste-Hilfe-Wortschatz, Bild-Kommunikationstafeln und Bilder-Wörterbücher in verschiedenen Sprachkombinationen oder umfangreiche Online-Wörterbücher helfen bei der Verständigung und lassen sich im Internet finden, siehe auch Themenschwerpunkt auf www.nifbe.de.

Im Alltag wird man aber natürlich auch immer wieder auf Mimik und Gestik angewiesen sein. Entscheidend sind hier der gute Wille, Neugierde und Geduld.


Foto: Monkey Business Images/Shutterstock

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