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Für die Praxis › Sprache & Gemeinschaft
Veröffentlicht am 19.03.2018  Geschrieben von nifbe

Ort der Vielfalt, Ort der Sicherheit - Teil 5

Das Schaffen von kultursensiblen Spielräumen ist eine große Herausforderung, vor der Erzieher in der Kita gerade im Umgang mit Kindern mit Fluchterfahrung stehen. Im Kita-Alltag lernen die Kinder wieder Kind zu sein und zu sich selbst zu finden.
Durch das Ankommen von Kindern mit Fluchterfahrungen in den Kitas rückt noch einmal deutlich die Herausforderung ins Bewusstsein, kultursensible und vorurteilsbewusste Spielräume zu gestalten. Bilderbücher, Spiele, Poster und Puppen oder Figuren vermitteln den Kindern unterschiedliche Weltsichten und transportieren oftmals implizit Klischees und Vorurteile der westlichen Mehrheitsgesellschaft. Das Gleiche gilt natürlich für die Sprache und Begriffe der pädagogischen Fachkräfte.

Überprüfen Sie daher kritisch, in welchen Zusammenhängen in Büchern und Liedern zum Beispiel farbige Minderheiten, Religionsgemeinschaften oder auch Frauen auftauchen und welche Rollen ihnen dann zugeschrieben werden. Gibt es Kopftuch tragende Ärztinnen, schwarze Richter oder farbige HeldInnen? Haben Sie in Ihrer Kita farbige Puppen oder Spielfiguren? Achten Sie also vorurteils-bewusst darauf, ob Ihre Spiel-Materialien und Settings verschiedenen Kulturen gerecht werden und diskriminierungsfrei sind.
 
Kinder mit dramatischen und entwürdigenden Fluchterfahrungen sowie ihrer „Sprachlosigkeit“ in der neuen Umgebung müssen oftmals erst wieder neu spüren, dass sie selbstwirksam sein können und beteiligt werden – denn häufig mussten sie über lange Zeiträume nur „funktionieren“. Besonders geeignet sind in der Kita Handlungsansätze wie Psychomotorik sowie ästhetische und musikalische Bildung, die non-verbale Settings bereitstellen und körperlich-sinnliche Erfahrungen ermöglichen. Hierüber können sich die Kinder bewusst körperlich erleben, ihren Gefühlen Ausdruck geben und in die non-verbale Kommunikation und Interaktion eintreten. Gemeinsames Singen, Tanzen und Feiern ist Ausdruck einer Kultur. Gefühle wie Freude oder auch Trauer können dabei sinnlich erfahren werden. Mit Musik können Kinder mit Fluchterfahrung willkommen geheißen werden und sie kann helfen, dass die Kinder sich schnell als Teil der Gruppe fühlen.
 
Im Kita-Alltag können Sie auf die Integrations- und Motivationskraft der Gruppe vertrauen. Im Spiel mit anderen Kindern können die Kinder mit Fluchterfahrung Kind sein, zu sich selbst finden, Freundschaften schließen und fantasiereiche Welten erschaffen. Peer-Interaktionen sind ein Lernfeld für sozial-emotionale Kompetenzen. Im spielerischen Sprachbad lernen Kinder mit Fluchterfahrung auch die deutsche Sprache kennen – so wie andere Kinder Begriffe aus deren Heimat lernen. Eine „Zurück-Haltung“ der pädagogischen Fachkraft ist unabdingbar, um die Peer-Interaktionsprozesse aufmerksam begleiten zu können und zu sehen, wann ein Eingreifen oder ein zusätzlicher Impuls von außen hilfreich sein könnte.


Foto: Rawpixel.com/Shutterstock_615781610

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