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Für die Praxis › Sprache & Gemeinschaft
Veröffentlicht am 19.03.2018  Geschrieben von nifbe

Ort der Vielfalt, Ort der Sicherheit - Teil 6

Ein intensiver, vertrauensvoller und "wegweisender" Austausch gerade mit den Eltern von Kindern mit Fluchterfahrung ist für eine gelungene Integration entscheidend.
Nur wenn die in unser Land geflüchteten Eltern Vertrauen in Sie und Ihre Einrichtung haben, wird auch die pädagogische Arbeit mit den Kindern gelingen können. Entscheidend sind daher das erste Kennenlernen und der Austausch auf Augenhöhe: So sollten Sie behutsam, aber so viel wie notwendig über die kulturellen Hintergründe und Fluchtgeschichte der Eltern in Erfahrung bringen und diese über die institutionelle Betreuung in Deutschland und ihre eigenen pädagogischen Konzepte und Regeln informieren.

Auch in der Folge ist es wichtig, Raum und Zeit für den Austausch einzuplanen und nach und nach gegenseitiges Vertrauen aufzubauen und zu vertiefen. Hilfreich können dabei auch Angebote wie Frühstücksbuffets oder Eltern-Cafés sein. Hier können pädagogische Fachkräfte, neu Hinzugekommene und „alte Hasen“ sich in ungezwungener Atmosphäre über Sorgen, Erwartungen und Erfahrungen austauschen und Verständnis füreinander entwickeln. Erfolgsversprechend sind persönliche – nicht nur schriftliche – Einladungen zu solchen Treffen.
 
Im Idealfall nehmen Sie und Ihre Kita für Familien mit Fluchterfahrung und deren erweiterten Beratungs- und Unterstützungsbedarf auch eine Brücken- und Lotsenfunktion für das Ankommen in der deutschen Gesellschaft ein – zum Beispiel im Hinblick auf Fragen zu Anträgen bei der Ausländerbehörde, zu Formularen des Jobcenters oder bezüglich der Möglichkeiten, Deutschkurse in der Kommune zu besuchen. Dafür ist ein gezielter Ausbau Ihrer sozialräumlichen Vernetzung im Hinblick auf entsprechende Behörden und Beratungsstellen, Migrantenvereine, Kirchen- und Moscheeeinrichtungen empfehlenswert.

Hilfreich ist es sicherlich auch, sich ein bestimmtes Grundwissen rund um Flucht und Asyl sowie die Herkunftsländer und –sprachen anzueignen. Wenngleich es selbstverständlich nicht darum gehen kann, dass Sie auf alle Fragen eine Antwort parat haben, sondern darum, dass Sie wissen, wer ein geeigneter Ansprechpartner ist oder wo entsprechende Informationen und Hilfestellungen zu finden sind. Das sind große Herausforderungen, die nicht einzig auf den Schultern der Kita-MitarbeiterInnen lasten dürfen, sondern der Rahmung durch das Bereitstellen von Ressourcen und Strukturen sowie der Unterstützung durch weitere Akteure bedürfen.


Foto: Syda Productions/Shutterstock
 

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