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Für die Praxis › Sprache & Gemeinschaft
Veröffentlicht am 19.03.2018  Geschrieben von nifbe

Ort der Vielfalt, Ort der Sicherheit - Teil 4

Viele Kinder mit Fluchterfahrung sind emotional schwer belastet. Daher ist es besonders wichtig, dass die Pädagogischen Fachkräfte einen verlässlichen Rahmen schaffen und bei der Eingewöhnung sensibel vorgehen.
Durch Erlebnisse in ihrem Herkunftsland oder auf der Flucht sind viele Kinder und Eltern emotional schwer belastet oder sogar traumatisiert. Dadurch ist ihr Kohärenzgefühl beschädigt bzw. zerstört und sie haben das Gefühl, keine Kontrolle mehr über ihr Leben zu haben. Trauma-Symptome können äußerst vielfältig und widersprüchlich sein und reichen von Aggressivität, schnellen Stimmungswechseln, Re-Inszenierungen oder Angstattacken bis hin zu Abwesenheit und Rückzug.

Auch ohne therapeutische Erfahrung können pädagogische Fachkräfte mit ihren Kernkompetenzen viel dazu beitragen, dass diese Kinder im Hier und Jetzt ankommen und wieder Freude am Leben finden. Grundsätzlich ist dabei all das richtig und wichtig, was eine professionelle pädagogische Arbeit ausmacht: Empathie, Beziehung, Wertschätzung, Beteiligung. Zudem ist entscheidend, dass die pädagogischen Fachkräfte einen verlässlichen Rahmen schaffen, der diesen Kindern Kontrolle und Berechenbarkeit ermöglicht. Sie selbst können dabei zu einem „sicheren Hafen“ werden, müssen aber zugleich stets aufmerksam im Blick haben, ob sie das Kind tatsächlich noch erreichen oder ob zusätzlich therapeutische Hilfe notwendig ist.

Bei der Eingewöhnung von kleinen Kindern mit Fluchterfahrung ist aus mehreren Gründen äußerst sensibel und flexibel vorzugehen. Einerseits kann es sein, dass diese Kinder schon längst an eine andere Betreuung als die durch die Eltern gewöhnt sind, denn in vielen Kulturen übernehmen Geschwister, Großeltern, Tanten, Onkel oder andere diese Aufgabe. In diesem Fall kann die Anwesenheit bzw. Anwesenheitspflicht der Eltern in der Eingewöhnungsphase auf beiden Seiten zu Irritationen führen.

Andererseits haben Eltern und Kinder möglicherweise auf der Flucht dramatische Trennungserfahrungen gemacht, die eine erneute Trennung in der Krippe schwierig machen. Für pädagogische Fachkräfte ist es daher wichtig, die kulturellen Hintergründe und Fluchtgeschichte in Erfahrung zu bringen und daraufhin die Eingewöhnung im Dialog mit den Eltern abzustimmen – das Festhalten an starren Modellen ist dabei kontraproduktiv.


Foto: iofoto/Shutterstock

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