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Veröffentlicht am 20.10.2017  Geschrieben von Benigna Daubernmerkl

Interview mit Familienministerin Katarina Barley

2018 vergibt das Familienministerium zusammen mit der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung den Deutschen Kita-Preis. Damit will Bundesministerin Katarina Barley* die Arbeit in den Kitas wertschätzen
Meine Kita: Das Familienministerium vergibt zum ersten Mal den Deutschen Kita-Preis. Warum haben Sie den Preis initiiert?

Katarina Barley: Der Ausbau von Kitas und Kindertagespfl ege in den vergangenen Jahren war ein großer Erfolg, aber nach wie vor gibt es große Unterschiede bei der Qualität der Angebote. Deswegen setze ich mich für ein neues Qualitätsversprechen für gute Kitas ein. Die Verbesserung der Qualität in der Kindertagesbetreuung – auch in der Kindertagespfl ege – hat eine hohe Priorität. Wir brauchen deshalb ein Qualitätsentwicklungsgesetz und eine stärkere und dauerhafte finanzielle Beteiligung des Bundes. Mit dem Deutschen Kita-Preis wollen wir unterstreichen, wie wichtig gute Qualität in der Kindertagesbetreuung ist.

Und diese Leistungen wollen Sie nun auszeichnen?

Mir ist besonders wichtig, das große Engagement in diesem Bereich zu würdigen. Außerdem soll der Preis dazu beitragen, besonders gelungene Praxis und Kooperationen bekannt zu machen. Denn von diesen Erfahrungen können wieder andere profitieren.

Welche Kriterien sind bei der Auszeichnung wichtig?

Vier Qualitätskriterien in den beiden Preiskategorien „Kita des Jahres“ und „Lokales Bündnis für frühe Bildung des Jahres“ sind wichtig: Erstens geht es um Kindorientierung, zweitens um Partizipation, drittens um Sozialraumorientierung und viertens um lernende Organisationen. Ganz besonders liegt mir am Herzen zu zeigen, wie Beteiligung im Kita-Alltag gelingen kann. Demokratie in Kitas zu leben und Kinder altersgemäß zu beteiligen, stärkt nicht nur die Kinder, sondern die gesamte Gesellschaft.

Sie sagen, dass Ihnen bei der Auszeichnung gute Prozesse wichtiger sind als ausschließlich gute Ergebnisse. Können Sie das an einem konkreten Beispiel verdeutlichen?

In der Kindertagesbetreuung schlummern ungenutzte Potenziale, die für den Einzelnen genauso wie für die ganze Gesellschaft enorme Vorteile bringen. Für das einzelne Kind bedeutet gute Kindertagesbetreuung Persönlichkeitsentwicklung, Geborgenheit, Bildung, Teilhabe, Inklusion und die Chance auf sozialen Aufstieg.
Vor allem benachteiligte Kinder profitieren besonders von einer guten Qualität. Für Eltern bedeuten gute Kitas, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, eine eigenständige Existenzsicherung, Armutsprävention,
bessere Chancen auf berufliche Verwirklichung und Unterstützung in ihrem Erziehungsauftrag besser gelingen. Für die Fachkräfte bedeuten gute Kitas bessere Arbeitsbedingungen, mehr Gesundheit und Zufriedenheit.
Qualität in der Kindertagesbetreuung ist ein dauerhafter Prozess und eine stetige Aufgabe für alle Beteiligten.
Es kommt darauf an, dass sich verschiedene Akteure gemeinsam auf den Weg machen, hin zu einer guten frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung. Eine gute Kindertagesbetreuung hat die Kinderrechte im Alltag verankert, beteiligt Kinder altersgemäß und dafür gibt es bundesweit viele gute Beispiele. Genau diese wollen wir sichtbar machen.

Ein weiterer Fokus liegt laut Ausschreibung auf der Berücksichtigung der „lokalen Rahmenbedingungen“ der teilnehmenden Kitas. Was meinen Sie damit?

Keine Kita ist wie die andere und das ist auch gut so. Zudem sind das Lern-und Lebensumfeld, die Rahmenbedingungen einer Kita oder die Bedarfe von Familien von Ort zu Ort unterschiedlich. Es geht darum, ein starkes Netz für Kinder vor Ort zu knüpfen, dabei können die Partner jeweils unterschiedlich sein. Partner sind beispielsweise die öffentliche Verwaltung, das Mehrgenerationenhaus, die Vereine in der Umgebung oder die Netzwerke für Frühe Hilfen. Das sind lokale Hilfeangebote für ein gesundes Aufwachsen der Kinder und eine bedarfsgerechte Unterstützung der Eltern.

Was wünschen Sie sich persönlich als Ergebnis?

Die 1400 Bewerbungen zeigen eindrucksvoll, dass es viele Beispiele für gute Kitas gibt. Wir wollen diese Arbeit wertschätzen und sichtbar machen. Aber wir wissen auch, dass Kinder in Deutschland nicht überall die gleichen Bildungs- und Entwicklungschancen haben. Die regionalen Unterschiede sind in der frühkindlichen Bildung zum Teil sehr groß. Genau deshalb muss die Qualitätsentwicklung weiter vorangebracht werden.

 

Zur Person
Dr. Katarina Barley ist Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend*. In öffentlichen Auftritten betont sie immer wieder, dass es mehr Investitionen in die frühe Bildung geben muss.


Foto: Photographee.eu/Shutterstock

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