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Veröffentlicht am 18.10.2017  Geschrieben von Helen Knauf

Elternkommunikation 2.0

Soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter werden privat zur Kommunikation genutzt. Und im Beruf? In der Kita gibt es Vorbehalte und Hindernisse.
Ein Klick und schon ist die Veranstaltung online. Auf den Handys der Eltern ploppt die Meldung auf, dass in der Kita in zwei Wochen Kindergartenfest ist. In Deutschland ist eine Veranstaltungseinladung über soziale Medien noch selten. Amerikanische Kindertageseinrichtungen hingegen nutzen Facebook und Twitter, um regelmäßig aus der und über die Kita zu posten. Denn die Kommunikation über soziale Netzwerke kann die Zusammenarbeit mit den
Eltern erleichtern.

Posts statt Aushänge
Wenn amerikanische Kitas heute soziale Netzwerke nutzen, dient das oftmals dazu, Einblicke in den Kita-Alltag zu geben. Sie stellen ein Foto von einer gemeinsamen Aktivität mit einem kurzen Kommentar ein oder informieren über Veranstaltungen. Diese Posts können zu einem wichtigen Bindeglied zwischen Fachkräften und
Eltern werden.

Auch deutsche Einrichtungen machen die Erfahrung, dass Eltern auf den herkömmlichen Wegen wie Briefe und Aushänge nicht erreicht werden. Durch soziale Netzwerke kann die Kommunikation mit den Eltern verbessert werden:
  •  Flexibilität: Eltern rufen jederzeit und überall die Posts ab. Sie müssen nicht beim Bringen oder Abholen der Kinder, wo es oft hektisch ist, auf die Aushänge achten. Stattdessen können Eltern in einer für sie passenden Situation, beispielsweise in der Pause bei der Arbeit, abends auf dem Sofa oder in der S-Bahn die Posts nachlesen.
     
  • Visuelle statt verbale Kommunikation: Während gerade Aushänge und Briefe auf die Schriftsprache fixiert sind, kann ein digitaler Kommunikationskanal leichter mit Fotos arbeiten. Das geht zum einen schneller, ist aber auch emotionaler und persönlicher. Zudem können Bilder durch ihre hohe Aussagekraft bestehende Sprachbarrieren überwinden.
     
  • Resonanz: Informationen werden nicht nur verkündet, sondern Eltern können auch darauf reagieren. Einrichtungen, die bereits Erfahrungen mit sozialen Netzwerken gemacht haben, berichten mit teilweise großer Begeisterung, dass sie gerade von Eltern viel Resonanz bekommen und den Eindruck haben, dass ihre Arbeit stärker wahrgenommen wird.
     
  • Medienbildung: Kinder werden bei den regelmäßigen Posts mit eingebunden. Sie können selbst Vorschläge machen, was sie fotografieren könnten, um es zu posten. So können Diskussionen darüber entstehen, was man veröffentlicht und was nicht, was auf einem Foto zu sehen sein darf und was nicht.
     
  • Reflexion über Lernprozesse: In sozialen Netzwerken können Fachkräfte schnell und regelmäßig Geschehnisse aus dem Kita-Alltag veröffentlichen. Kinder sprechen mit den Fachkräften über das Erlebte. Zudem ergeben sich viele Gesprächsanlässe zwischen Eltern und Kindern, die sich auf konkrete Erlebnisse beziehen, beispielsweise: „Wo habt ihr denn den Käfer gefunden, den
    ihr heute untersucht habt?“.

Mehr als Facebook
In der Diskussion über die Nutzung sozialer Netzwerke wird oftmals vergessen, dass es nicht nur Facebook, Twitter, Instagram oder Snapchat gibt. Im Bildungsbereich ist es auch sinnvoll, geschlossene Netzwerke einzusetzen, bei denen die Fachkräfte selbst definieren, wer Zugang dazu hat. Ein Beispiel hierfür ist das in den USA verbreitete Programm Seesaw, bei dem die Fachkraft für jedes Kind und jeden Elternteil den Zugang zu einem gemeinsamen virtuellen Raum festlegt. Die kindgerechte Benutzeroberfläche ermöglicht es auch Kindern,
selbst Fotos hochzuladen, einen gesprochenen Text aufzunehmen oder ein Video zu erstellen. Das bedeutet, dass die Kinder selbst zu Akteuren werden. Sie können – gemeinsam mit der Fachkraft – entscheiden, ob nur die eigenen Eltern oder die gesamte Gruppe den jeweiligen Post sehen kann. Ein in Deutschland entwickeltes
Angebot stellt Stepfolio dar, bei dem für jedes Kind ein digitales Portfolio angelegt wird. Üblicherweise werden den Eltern des jeweiligen Kindes Zugangsrechte eingeräumt, sodass sie aktuelle Fotos, Videos, Audioaufnahmen des Kindes einsehen können. Ganz ähnlich ausgerichtet ist die Plattform Storypark aus Neuseeland, die auf Lerngeschichten ausgerichtet ist – also Bildungsdokumentationen, die zeigen, wie und
was das Kind lernt: Lerngeschichten werden nicht nur ausgedruckt, sondern auch in das Netzwerk hochgeladen, sodass sie für die Eltern und auf Wunsch auch andere Verwandte sichtbar sind. Eltern können die Lerngeschichten direkt kommentieren.

Trotz der Vorteile und der Möglichkeiten der Kommunikation über soziale Netzwerke gibt es Hindernisse und Vorbehalte, was Studien wie „The Mediatisation of Professional Pedagogical Practice“ belegen:
  • Technisch: Es können Probleme aufgrund der technischen Ausstattung entstehen. Idealerweise wird mit mobilen Endgeräten gearbeitet, da man damit fotografieren, filmen, aufnehmen und zugleich auch im Internet posten kann. Tablets und Smartphones stehen aber nur selten in Kitas zur Verfügung. Die Nutzung privater Geräte ist eine verführerische Lösung, ist aber datenschutztechnisch problematisch. Der Träger sollte die Geräte zur Verfügung stellen.
     
  • Finanziell: Während öffentliche Netzwerke in der Regel kostenfrei sind, entstehen für die Nutzung zugangsbeschränkter Netzwerke Kosten. Diese beinhalten meist auch die Einrichtung des Netzwerks und die begleitende Beratung.
     
  • Datenschutz: Die Anforderungen des Datenschutzes und der Schutz der Persönlichkeitsrechte
    der Kinder stellen die Nutzung von sozialen Netzwerken in Kitas vor Schwierigkeiten. Klare Social Media- Richtlinien, für diese die Caritas Empfehlungen herausgegeben hat, sind wichtig (Informationen auf: www.caritas-digital.de).

Die Kommunikation über digitale soziale Netzwerke bedeutet, dass neue Anforderungen an Fachkräfte und Eltern gestellt werden. Hinzu kommen Vorbehalte gegenüber sozialen Netzwerken. Es ist eine wichtige Herausforderung für Fachkräfte, Kindertageseinrichtungen und Träger, in einer zunehmend mediatisierten Welt
angemessene Wege der Kommunikation mit Eltern zu finden – auf dem Papier, durch das gesprochene Wort und eben auch digital.


Zur Autorin:
Dr. Helen Knauf ist Professorin für frühkindliche Bildung an der Hochschule Fulda und forscht über Digitalisierung und Bildungsdokumentation. In ihrem Blog gibt sie Einblicke in ihre Forschung und twittert selbst @helenknauf.


Foto: Rasstock/Shutterstock

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