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Für die Praxis › Sprache & Gemeinschaft
Veröffentlicht am 18.10.2017  Geschrieben von Benigna Daubenmerkl

Räume fürs Träumen

Mit einem „Snoezelenraum“ schafft man einen Ort der Ruhe und Entspannung – ideal, um Kinder zu öffnen, Neues zu erforschen und zu lernen.
„Snoezelen ist eine ganzheitliche Förderung der Kinder. Es geht darum, das Kind mit allen Sinnen, mit seiner Sprachfähigkeit, sozialen Fähigkeiten und Konzentration zu fördern. Und ich gebe ihm Stabilität für die Gesellschaft mit“, erklärt Krista Mertens, Professorin für Rehabilitationswissenschaften. Die Pädagogin ist Spezialistin für Snoezelen, hat diesen Ansatz in Deutschland bekannt gemacht, schult weltweit Erzieher und Therapeuten.

„In den asiatischen Ländern wie Korea und Japan ist Snoezelen wesentlich bekannter als in Europa“, erläutert sie. Snoezelen, eine deutsche Wortschöpfung aus den beiden englischen Wörtern „snooze“, ein Nickerchen machen, und „doze“, dösen, beschreibt den Kern des Konzepts, das ursprünglich als Therapieform für Menschen mit Beeinträchtigungen entwickelt und eingesetzt wurde. Ziel ist, Entspannung und Ruhe zu schaffen, begleitet durch eine einfühlsame pädagogische Fachkraft. Snoezelenräume sind Orte, die Kindern Freude machen, in die sie gerne kommen, „weil sie wissen, da ist etwas
Besonderes los“, sagt Mertens.

Einrichtungselemente schaffen die richtigen Rahmenbedingungen für das Snoezelen: Grundbestandteil sind Liege- und Sitzflächen, eine Sitzecke mit Kissen und eine Hängeschaukel. Für die besondere Atmosphäre sind auch bis zu drei transparente, freistehende Wassersäulen wichtig, in denen bunte Blasen nach oben steigen, mit verstellbaren Farben und Blasengrößen. Gerne legen sich die Kinder dazwischen und beobachten das wechselhafte Form- und Farbspiel. Die pädagogische Fachkraft sollte ein Handy oder einen CD-Player mitnehmen, um dabei ruhige Musik abzuspielen. Projektoren mit bunten Effektscheiben können begleitend eingesetzt werden und bunte Motive an die Wände werfen. Faseroptiken, also LED-Lichtstränge, die man dekorativ auf den Boden legen kann oder als leuchtenden Vorhang vor eine Ecke hängt, schaffen eine beruhigende Farbatmosphäre. „Das lieben die Kinder besonders“, erzählt Mertens. „Sie kriechen oft dahinter und dann meinen sie, sie werden nicht mehr gesehen.“

Ein Ort zum Erzählen und Wahrnehmen

Snoezelenräume eignen sich dafür, die Fantasie der Kinder anzuregen. Die pädagogischen Fachkräfte können die Kinder beispielsweise dazu ermuntern, Fantasie-, Ballonflug-, oder Wander-Geschichten zu erzählen. Es ist ein idealer Ort, um die Welt besser kennen zu lernen. „Im Herbst können die Kleinen bunte Blätter an die Wassersäulen kleben.“ Die Kinder dürfen dann das Zusammenspiel der Formen und Farben von Blättern und Blasensäulen beobachten und schildern. „Themen wie die Jahreszeiten kann ich in einem Snoezelenraum wirksamer besprechen als in einem Gruppenraum“, erklärt Mertens. Die Atmosphäre des Raumes, die ruhige Ausstrahlung des Erziehers und leise Hintergrundmusik fördern die Wahrnehmung, das Lernen und die Vorstellungskraft des Kindes. Im Snoezelenraum geht es vor allem um Eigenwahrnehmung und Eigenkompetenz. In der beruhigenden Umgebung üben Kinder, sich auf eine Sache zu konzentrieren. Ebenso lernen sie, aufmerksam zu beobachten und das Gegenüber besser wahrzunehmen.

Snoezelenarbeit erfordert Umsicht und Wissen

Neben der Gestaltung des Raumes ist auch die Rolle der pädagogischen Fachkraft wichtig. „Sie ist gefordert, denn sie beobachtet und führt das Kind“, betont die Expertin für Snoezelen. Gerade der Umgang mit Kindern, die sozial-emotionale Auffälligkeiten zeigen, erfordere Umsicht und Wissen, wie und wann man die Kinder anspricht, wie man mit ihnen umgeht. Aus ihrer täglichen Erfahrung berichtet Krista Mertens: „Wir haben vermehrt Kinder mit Aggressivität und Wutausbrüchen. Die kann ich im Raum vorsichtig lenken, sodass sie
Ruhe  finden.“
Für sie gehört Snoezelen in jeden Kindergarten. Bei den Kleinen, die viel liegen, würde sie tägliche Snoezeleneinheiten, die jeweils 45 Minuten lang sind, ansetzen. Bei den Kindern über drei Jahre sind zweimal pro Woche 45 Minuten sinnvoll. Erst dann wird die Zeit optimal genutzt. Aber, betont sie: „Wenn ich wirklich etwas verändern und bewirken will, dann brauchen wir auch Fortbildungen in diesem Bereich.“


Zum Weiterlesen:
Krista Mertens
Snoezelen. Eine Einführung in die Praxis
modernes lernen, 2014, ISBN 9783808005620


Foto: Greenfire/Shutterstock

 

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