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Veröffentlicht am 28.08.2017  Geschrieben von Redaktion

Die Experten der Kinder sind die Eltern

Im Düsseldorfer Familienzentrum Ingeborg- Bachmann-Straße sind die Familien Teil des Kita- Konzepts. Leiter Jonathan Noé über die Bedeutung von Transparenz und alternativen Elternangeboten.

Herr Noé, wie sieht bei Ihnen die Zusammenarbeit mit den Eltern aus?

Bei uns gibt es viele Tür- und Angelgespräche und regelmäßige Rückmeldegespräche. Die Gruppen stehen für die Eltern offen. Die Eltern können abgesprochen, aber auch unangekündigt vorbeikommen. Wir versuchen so transparent wie möglich zu sein, damit die Eltern sehen, wie bei uns gearbeitet wird. Uns ist zudem wichtig, mit den Familien Rituale zu entwickeln. Vor allem beim Prozess des Abschiedes. Manche sind morgens eine halbe Stunde hier, weil sie in die Gruppe kommen und mit den Kindern ein Buch lesen. So sind sie ein bisschen in den Alltag integriert. Wir verstehen uns als familienergänzende Einrichtung.

Die Eltern sind also immer erwünscht?

Absolut. Das heißt natürlich nicht, dass die Eltern hier jederzeit ein- und ausgehen können. Offenheit ist wichtig, aber es gibt auch eine Struktur. Dennoch gibt es immer die Möglichkeit, zu hospitieren. Uns ist bewusst, dass wir deutlich weniger Einfluss auf die Kinder haben als die Familie. Wir versuchen die Bedingungen so zu gestalten, dass sich der Bildungsort Familie darüber hinaus in die Kita verlagert. Egal, wie viele Stunden ein Kind in der Kita ist: Was beim Abendbrot oder Zubettgehen passiert, ist wichtiger für ein Kind als die Förderung, die in der Kita stattfindet. Die kann nur ergänzend oder unterstützend sein.

Was ist mit den Eltern, die gar nicht die Zeit haben, morgens eine halbe Stunde in der Kita zu sein?

Die Eltern dürfen und sollen es so machen wie es ihr Lebenskonzept zulässt. Für die Familien, für die es nicht möglich ist, bieten wir Alternativen an. Wir machen zum Beispiel Vater-Kind-Nachmittage oder olympische Spiele, die wir zusammen mit den Vätern gestalten. Es gibt des Weiteren Angebote für diejenigen, die sehr wenig Zeit haben. Da machen wir beispielsweise einen Ausflug an einem Feiertag.

Welchen Stellenwert hat in ihrer Einrichtung die Zusammenarbeit mit den Eltern?

Die Experten der Kinder sind die Eltern. Sie wissen am meisten über ihre Kinder. Deswegen sind sie eng mit uns vernetzt. Wir brauchen die Eltern, um gut arbeiten zu können.

Bieten Sie für Eltern aus anderen Kulturen spezielle Aktionen?

Spezielle Aktionen zur Integration gibt es nicht, denn die findet jeden Tag statt. Wir geben uns viel Mühe, zu gewährleisten, dass sich beide Parteien verstehen. Das wird belohnt und bei uns nehmen ebenso Familien, die noch kein Deutsch können, an gemeinsamen Aktivitäten teil. Da behelfen wir uns beispielsweise damit, dass wir manches über E-Mail und mithilfe von Google-Übersetzer regeln. Oder wir fragen Freunde, die übersetzen können.

Was ist bei der Kommunikation mit den Eltern wichtig?

Erstmal kommt es darauf an, eine Beziehung herzustellen. Der Small Talk wird immer noch unterschätzt. Es geht nicht darum, nur über pädagogische Themen zu sprechen. Sondern auch mal zu fragen, wie es dem anderen geht. Und es ist wichtig, offen zu sein. Oft findet die Arbeit hinter verschlossenen Türen statt und ist nicht transparent. Aber wir können dazu stehen, was wir tun, weil wir einen guten Job machen. Auch Tür- und Angelgespräche sind unerlässlich und wir fragen die Eltern immer wieder, was sie brauchen. Beispielsweise an Elternabenden, bei denen wir uns erkundigen, welche Themen sie beschäftigen, um daraus dann inhaltliche Angebote zu schaffen.

Wie empfinden Sie die Arbeit mit den Eltern?

Ich finde sie bereichernd. Bei uns steht die Gruppentür immer offen. Natürlich gab es Familien, bei denen man eine Grenze ziehen musste, weil sie sehr viel in der Gruppe waren. Aber es ist immer eine bereichernde Kultur und wir versuchen in der Zusammenarbeit mit den Eltern immer, die Möglichkeiten zu nutzen, die uns geboten werden. Daher sehe ich diese Kooperation als einen Standpfeiler gelungener pädagogischer Arbeit in der Kita.

Was hat sich aus Sicht der Kita in den letzten Jahren bei der Zusammenarbeit mit den Eltern geändert?

Heute ist es stärker im Konzept verankert, dass Eltern zu partizipieren sind. Das fängt bei den Fragebögen über Öffnungszeiten an und mündet in kleinen Gesprächen, in denen wir gemeinsam mit den Eltern schauen, was man verbessern kann. Elternbeiratsarbeit ist stark in den Fokus gerückt und wird bei uns intensiv gelebt. Die Rückmeldestruktur hat sich ebenfalls geändert. Eltern bringen nicht mehr nur und holen ab, sondern man tauscht sich über den Tag aus. Beide Seiten schätzen sich.

Haben sich die Ansprüche der Eltern geändert?

Sehr. Auch durch die mediale Aufmerksamkeit, die der Bildungsbereich Kindertagesstätte heute bekommt. Eltern fordern vermehrt eine zweite Fremdsprache oder musikalische Frühförderung. Als Kita spürt man den Druck, ein Alleinstellungsmerkmal bieten zu müssen. Unsere Einrichtung hat sich beispielsweise darauf spezialisiert, dass wir Bewegungskindergarten und Haus der kleinen Forscher sind. Wir versuchen ein Angebot zu schaffen, das einerseits eine Vielfalt bietet, aber andererseits den Kindern genug Raum lässt, im freien Spiel zu lernen. Denn das ist der wirksamste Lernbereich.

 
Foto: Halfpoint / Shutterstock

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