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Veröffentlicht am 22.08.2017  Geschrieben von Dr. Verena Wittke

Bundesprogramm Elternchance

Gute Bildungschancen hängen auch davon ab, ob Eltern ihre Kinder anregen und fördern. Um sie von Anfang an zu unterstützen, bildet das Bundesprogramm Elternchancen bundesweit Elternbegleiterinnen und -begleiter aus.
Schon früh im Kindesalter und damit weit vor Eintritt in die Kita oder die Grundschule wird in der Familie das Fundament für die Bildungsbiografie der Kinder gelegt. Eine durch Wärme, Zuwendung und Empathie geprägte Eltern-Kind-Beziehung bietet dem Kind einen sicheren Rahmen, um die Welt zu erkunden. Eine sichere Bindung und feinfühliges Elternverhalten fördern eine optimale Entwicklung des kindlichen Gehirns und bilden so einen Grundstein für erfolgreiches lebenslanges Lernen.

Eltern wollen meist das Beste für ihre Kinder. Doch gelingt es nicht allen gleichermaßen, ihre Kinder von Anfang an selbstbewusst und kompetent auf dem Bildungsweg zu begleiten und in ihnen die Freude am Lernen zu wecken. Sie wünschen sich Informationen und Anregungen, Ermutigung und Begleitung, um ihre Kinder bestmöglich zu fördern. Hier setzt die Arbeit der Fachkräfte an, die im ESF-Bundesprogramm „Elternchance II – Familien früh für Bildung gewinnen“ zu Elternbegleiterinnen und -begleitern qualifiziert werden.

Vielfach haben die Elternbegleiterinnen und -begleiter in ihrem Arbeitsumfeld, wie Kitas, Familienzentren und -bildungsstätten, bereits Kontakt zu den Familien. Durch die Qualifizierung können sie diese kompetent und mithilfe von unterschiedlichen Angeboten für die Bildungsverläufe ihrer Kinder sensibilisieren und zu Übergängen im Bildungssystem beraten. Das Spektrum der Angebote reicht von Elterncafés und Elternabenden in Kitas über gezielte Beratungsangebote bis hin zu mobilen Gesprächs- und Spielangeboten zum Beispiel auf Spielplätzen.

Durch ihre anerkennende und achtsame Haltung gegenüber allen Familien – unabhängig von deren Herkunft, Bildung und Ethnie – erreichen Elternbegleiterinnen und -begleiter verstärkt auch jene Mütter und Väter, die Einladungen zu Elternabenden oder anderen Angeboten bislang nicht wahrgenommen haben. Mit ihrer Haltung, ihren Kenntnissen und ihren Netzwerken vor Ort können die Elternbegleiter zudem für neu zugewanderte Familien von Anfang an Integrationshilfe leisten und konkrete Hilfestellung beim Eintritt der Kinder in Kita oder Schule geben. „Elternbegleitung ist dann gut, wenn die Eltern uns gern an ihrer Seite haben – unaufdringlich, ohne Besserwisserei, sondern als gewählte Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter“, ist Petra Bartoli überzeugt, Dozentin im Programm Elternchance.

Türen öffnen für Begegnung und Austausch

Berichte von Elternbegleiterinnen und -begleitern machen, ebenso wie die Ergebnisse der begleitenden Studie „Elternchance ist Kinderchance – Elternbegleitung der Bildungsverläufe der Kinder“ deutlich, dass die Qualität der Zusammenarbeit mit Familien sich grundsätzlich verbessert und Eltern sich in der Bildung und Erziehung ihrer Kinder stärker als bisher als Partner der Fachkräfte erleben. Dies liegt zum einen daran, dass die Elternbegleiterinnen und -begleiter ihre Angebote stärker an die Bedürfnisse der Familien anpassen und in der Gestaltung kreativer und mutiger sind als bisher. Zum anderen haben Elternbegleiterinnen und -begleiter ihre Haltung gegenüber Familien verändert: begleiten statt „abholen“, anerkennen statt erziehen, wertschätzen statt bewerten, gemeinsam lernen statt belehren – und sich um die konsequente Umsetzung einer „dialogischen Grundhaltung“ bemühen. Die Leiterin einer Kita beschreibt die Veränderungen so: „Als Elternbegleiterin nehme ich Familien anders wahr, vorurteilsbewusster, und ich gehe nicht mehr davon aus, dass alle Eltern ein Problem haben. Vielmehr ist meine Aufmerksamkeit darauf gerichtet, wertschätzend, einfühlsam und respektvoll mit den Eltern in Kontakt zu treten.“

Gemeinsam mit den Eltern lernen

Die Weiterqualifizierung zum Elternbegleiter ermutigt und befähigt pädagogische Fachkräfte, einer Familie keine fertigen pädagogischen Lösungen präsentieren zu wollen. Vielmehr geht es darum, sorgsam zu erkunden, welche Fragen und Themen eine Familie bewegen, Eltern darin zu stärken, die für ihre Kinder und sie selbst besten Lebens- und Wachstumsbedingungen zu erkennen oder herzustellen und sich dabei selbst als ebenso lernend zu verstehen wie die Eltern.

Selbsthilfe anregen und Selbstwirksamkeit fördern

Ziel der Elternbegleiterinnen und -begleiter ist, nach Möglichkeit Hilfe zur Selbsthilfe zu geben und so dazu beizutragen, dass Kinder mit ungünstigeren Startbedingungen eine Chance im Bildungsverlauf und späteren Berufsleben bekommen, die ihnen die eigenen Eltern ermöglichen und nicht „allwissende Fachleute“. So entwickelte die AWO-Kita Sternschnuppe in Düsseldorf beispielsweise verschiedene Angebote rund um das Thema Lesekompetenz wie mehrsprachige Vorlesestunden gemeinsam mit Eltern und Kindern, eine Bilderbuchwerkstatt und interkulturelle Familien-Workshops. Die Resonanz von Seiten der Familien war groß und viele Kinder wünschten sich danach das Vorlesen zu Hause. Eltern, die wie hier in die Gestaltung eines Angebots einbezogen werden, entdecken oft nicht nur verborgene Fähigkeiten wieder, sondern sie erfahren Anerkennung und Selbstwirksamkeit. Gute Voraussetzungen dafür, die eigenen (Bildungs-)Chancen und die ihrer Kinder zu erkennen und wahrzunehmen.

Foto: Annette Shaff / Shutterstock

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