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Für KitaClubber › Rechtsratgeber
Veröffentlicht am 02.03.2017  Geschrieben von Torsten Bornemann

Wenn das Kindeswohl gefährdet ist

Bei Verdacht, dass das Wohl des Kindes gefährdet ist, ist schnelles und überlegtes Handeln gefragt. Meine Kita-Rechtsexperte Torsten Bornemann klärt auf, was zu beachten ist.
Zu den dunklen Seiten des Erzieher-Alltags zählen Kindeswohlgefährdung und der Umgang damit. Vor allem, weil man als Erzieher dafür verantwortlich ist, Verdachtsmomente nicht nur wahrzunehmen, sondern Eltern und Kollegen damit zu konfrontieren. Die Folgen können weitreichend sein. Es können Maßnahmen des Jugendamtes drohen. Liegt man jedoch mit seinem Verdacht falsch, manövriert man sich unter Umständen ins Abseits. 

Besonders schwierig ist es, wenn eine Kindeswohlgefährdung lediglich vermutet wird. Hinzu kommt die Unsicherheit, die schnell in Überforderung übergehen kann. Hilfreich können Broschüren der Jugendämter und Bildungsministerien sein. Berlin beispielsweise stellt auf www.jugendnetz-berlin.de einen Handlungsleitfaden „Kinder fördern und schützen!“ mit Checklisten und Empfehlungen für den Umgang mit Kindeswohlgefährdung bereit, der im Internet zum Herunterladen bereitsteht. Empfehlenswert ist, dass die Kita einen Notfallkoffer mit entsprechenden Broschüren zusammenstellt. 

Doch wie ist Kindeswohlgefährdung im Gesetz definiert? Diese liegt vor, wenn es einen Verdacht auf eine körperliche, geistige oder seelische Beeinträchtigung, beziehungsweise eine gegenwärtige, mit ziemlicher Sicherheit zu erwartende Gefahr einer erheblichen Schädigung gibt. Dies kann Vernachlässigung, körperliche oder psychische Misshandlung, häusliche Gewalt oder sexueller Missbrauch sein. 

Gefährdung des ­Kindes in der Familie

Fachkräfte sind verpflichtet, das Kindeswohl zu schützen. Gleiches gilt für die Träger. Falls ein konkretes Gefährdungsrisiko vorliegt, sollte eine erfahrene Fachkraft hinzugezogen werden. Notfalls ist das Jugendamt zu informieren, um die Gefährdung abzuwenden.

Was bedeutet das?

Es sind zuerst Verdachtsmomente, die bereits von der Erzieherin oder dem Erzieher viel Sensibilität erfordern. Verdachtsmomente können sein:
  • Veränderungen im Verhalten und Erscheinungsbild des Kindes 
  • schwierige Wohn- und ­Familien­situation
  • auffälliges, elterliches ­Erziehungsverhalten 
  • Defizite bei den Kindern im Rahmen der Entwicklungsbeobachtung und -förderung 
  • Hinweise auf traumatische ­Lebensereignisse 
  • Auffälligkeiten im sonstigen sozialen Umfeld.

Verdachtsmomente sollten zuerst im Vier-Augen-Prinzip mit der Kita-Leitung und einer erfahrenen Fachkraft besprochen werden. Wichtig ist die Dokumentation, zum Beispiel mithilfe von Checklisten. Dabei – und das gilt insbesondere bei der Hinzuziehung einer externen erfahrenen Fachkraft – ist der Datenschutz zu berücksichtigen. Als erfahrene Fachkraft gelten qualifizierte interne oder externe Fachkräfte sowie Berater beim Kinder- und Jugendgesundheitsdienst oder Einrichtungen der Jugendhilfe beziehungsweise beim Jugendamt. Manche Einrichtungen beraten auch anonym.

Kann der Experte eine Kindeswohlgefährdung nicht ausschließen, sollte ein Gespräch zwischen Leitung, Erzieher und den Eltern stattfinden, in dem über die Gefährdungseinschätzung gesprochen und auf die Inanspruchnahme von Hilfen wie Erziehungsberatung, Kinder- und Jugendambulanzen oder Kinderarzt hingewirkt wird. Führt auch das nicht weiter, kommt eine Fallberatung mit dem zuständigen Jugendamt in Betracht. 

Besteht sofortiger Handlungsbedarf, kann das Jugendamt sofort informiert werden. Wichtig ist eine explizite und schnelle Dokumentation, wer, wann und mit wem in Kontakt getreten ist. 

Gefährdung durch ­Betreuungsperson

Ist eine Kindeswohlgefährdung in der Einrichtung, zum Beispiel durch eine Erzieherin zu beobachten, ist die Sachlage anders. Bei nachweisbarem Vorsatz haftet die Erzieherin sowohl zivilrechtlich als auch strafrechtlich. Arbeitsrechtlich droht ihr eine Abmahnung oder eine fristlose Kündigung. 

Über die Kindeswohlgefährdung muss der Arbeitgeber zunächst informiert werden. Das ist die Pflicht der Kollegen. Falls diese den Träger nicht informieren, können sich auch die Kollegen strafbar machen.

Foto: Kostenko Maxim / Shutterstock

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