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Veröffentlicht am 22.02.2017  Geschrieben von Wolfgang Bergmann

Eingewöhnungstipps für Tageseltern

Nicht nur in der Kita haben Erzieherinnen und ­Erzieher ­manchmal Schwierigkeiten, Kinder im U3-Bereich ­einzugewöhnen. Auch in der Tagespflege stoßen Tageseltern an ihre Grenzen. Familienberater Wolfgang Bergmann gibt Tipps, wie man mit Problemen umgehen kann.
Das erzählt die Tagesmutter:
Sabine J., 31 Jahre, Erzieherin in der Nähe von Dortmund:

Ich bin seit sieben Jahren Tagesmutter und betreue vor allem Kinder, die kurz bevor sie in die Kita kommen, bei mir sind, um die Wartezeit zu überbrücken. Derzeit betreue ich einen kleinen Jungen, der 14 Monate alt ist.

Nun rief mich eine Mutter an, deren Tochter Emma * elf Monate alt ist. Sie hat einen U3-Platz in vier Monaten und möchte schon jetzt beginnen, zu arbeiten und Emma auf die Kita-Zeit vorzubereiten. Ich vereinbarte mit ihr ein Gespräch zu Hause und lernte dabei auch die Tochter kennen. Bereits nach einer halben Stunde merkte ich, dass Emma noch nicht bereit ist, in eine Kita zu gehen oder von mir betreut zu werden. Sie spielt keine Sekunde alleine und möchte nur getragen werden. Auch nimmt sie nur die Flasche und greift nach keinem Trinkbecher. Am Essenstisch sitzt sie nicht in einem kleinen Stuhl, sondern will nur auf den Schoß der Mutter. Sobald sie in den Stuhl gesetzt wird, fängt sie an zu schreien und lässt sich nicht ­beruhigen. Selbst, wenn ihre Mutter auf die Toilette geht, wird Emma mitgenommen. Trotzdem möchte die Mutter versuchen, Emma in meine Betreuung zu geben.

Ist es in diesem Fall richtig, die ­Betreuung abzulehnen oder soll ich es versuchen?


Das sagt der Experte:
Die Tagespflege und die U3-Betreuung stellen heutzutage für alle Beteiligten eine große Herausforderung dar, sowohl für die Eltern, Tagesmütter und -väter als auch für die Kinder. Oftmals müssen Eltern ihr Kind schon mit ein paar Monaten in die Tagespflege geben, da sie wieder arbeiten müssen. Für Tagesmütter und -väter bedeutet es, noch intensiver auf das einzelne Kind einzugehen, da in den ersten drei Jahren eine achtsame Begleitung für die Entwicklung des Kindes besonders wertvoll ist.

Gerade weil Kinder so unterschiedlich sind, gehen sie auch unterschiedlich mit diesen Herausforderungen um. Es gibt Kinder, die sich problemlos in die Tagespflege integrieren lassen. Dann gibt es Kinder, die anfangs zurückhaltend sind und erst nach einiger Zeit „auftauen“. Und es gibt Kinder, wie Emma, die noch sehr stark die Nähe der Mutter suchen und Sicherheit brauchen. Vielleicht fällt es auch der Mutter schwer, sich von Emma zu lösen.

Für jedes Verhalten des Kindes gibt es einen Grund. Es liegt in der Verantwortung der Erwachsenen, das Bedürfnis des Kindes wahr- und ernst zu nehmen. Je nach Situation ist zu entscheiden, ob dieses Bedürfnis auch erfüllt werden kann. Es gibt kein Patentrezept.

Achten Sie zunächst auf Ihre ­persönlichen Grenzen!
Sind Sie in der Lage, mit gutem Gewissen Emma bei sich aufzunehmen und sie zu begleiten, auch wenn sie vielleicht bei Ihnen schreit, sich schwer beruhigen lässt und viel Zuwendung benötigt? Wenn Ihre innere Stimme dazu „Ja“ sagt, sind Sie für Emma ein authentisches Gegenüber.

Wie denken Sie persönlich über die Situation?
Wenn Sie denken, es wäre sinnvoll, dass Emma noch ein paar Monate zu Hause bliebe, dann suchen Sie das Gespräch mit der Mutter. Teilen Sie ihr wertschätzend mit, wie Sie die Situation sehen und wie Sie sich als Mutter von Emma verhalten würden.

Senden Sie Ich-Botschaften
Wenn Sie das Gespräch mit der Mutter suchen, bleiben Sie bei sich. Teilen Sie der Mutter mit, was Sie leisten können und was nicht. Sprechen Sie möglichst nicht über Emma, was für sie besser wäre – oder über die Mutter und was sie aus Ihrer Sicht falsch macht.

Mag sein, dass Emma noch zu jung ist, die Nähe der Mutter noch dringend braucht oder, dass die Mutter sich schon längst von Emma lösen müsste. Achten Sie als Tagesmutter gut auf sich selbst: Egal wie die Umstände sind, sollten Sie sich fragen: Bin ich dazu bereit, kann und will ich mich dieser Herausforderung stellen? Beantworten Sie sich diese Fragen ehrlich und stehen Sie dazu.


*Name von der Redaktion geändert


Foto: Monkey Business Images / Shutterstock

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