Anmelden
Für KitaClubber › Rechtsratgeber
Veröffentlicht am 20.02.2017  Geschrieben von Torsten Bornemann

Kampf in der Kita - Was tun bei Mobbing?

Mobbing am Arbeitsplatz kann das Berufsleben zur Hölle machen. ­Betroffene sollten schnell handeln. Wie, erklärt Meine Kita-Rechtsexperte Torsten Bornemann.
Eine Erzieherin fühlt sich seit einer Weile von ihren Kollegen ausgegrenzt, ungerecht behandelt, schikaniert. Ein Zeichen, dass im Kita-Team etwas schief läuft. Dahinter kann Mobbing stecken.

Was ist Mobbing?

Das Bundesarbeitsgericht (BAG) definiert den Begriff Mobbing als „systematisches Anfeinden, Schikanieren oder Diskriminieren von Arbeitnehmern untereinander oder durch Vorgesetzte“, also einen Zustand, der über bloße Unstimmigkeiten hinausgeht. Wenn Vorgesetzte involviert sind, kann manchmal nur schwer eine genaue Grenze zu dem Direktionsrecht, also die Weisungsbefugnis des Arbeitgebers, gezogen werden. Konfliktsituationen im Arbeitsleben, auch über einen längeren Zeitraum, sind kein Mobbing, solange sie sich noch in einem „sozial- und rechtsadäquaten Rahmen“ bewegen. Das heißt: Bei der Beurteilung, ob es sich bei einer Auseinandersetzung um Mobbing handelt oder nicht, kommt es auf die Umstände des Einzelfalles an. Rechtliche Grundlage bilden hier das Arbeitsschutzrecht und das Allgemeine Gleichheitsgesetz (AGG), da Mobbing in den meisten Fällen dem Tatbestand der Belästigung (§ 3 Abs. 3 AGG) unterfällt.

Dauerhafte Beleidigungen zwischen Kollegen zum Beispiel sind nicht mehr sozialadäquat. Sie können sogar strafbar sein. Mobbing kann aber auch mittelbar stattfinden – das heißt ohne den Betroffenen direkt anzusprechen –, beispielsweise durch Tratsch und die Weitergabe vertraulicher ­Informationen.

Dokumentation ist wichtig

Die Folgen von Mobbing können erheblich sein: permanenter Stress bis hin zu psychosomatischen Erkrankungen oder gar Suizidgefahr. Das Mobbing-Opfer sollte daher nicht zu lange warten, bevor es etwas unternimmt.

Im ersten Schritt sollte man sich darüber klar werden, welche Situationen man als beeinträchtigend wahrnimmt. Zu empfehlen ist, ein „Mobbing-Tagebuch“ zu führen, in dem die Interaktionen zwischen allen Beteiligten detailliert notiert werden. Art und Häufigkeit der Vorfälle lassen sich so über einen längeren Zeitraum gut dokumentieren. Neben der Selbstkontrolle ermöglicht die Aufzeichnung eine Art Beweissicherung für den Fall, dass rechtliche Maßnahmen gegen den Mobber anstehen. Denn Mobbing ist in der Praxis nur schwer beweisbar. Grund dafür ist, dass Zeugen, in der Regel die Kollegen, trotz ihrer Zeugnispflicht, nicht aussagen – aus Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes oder infolge von Gruppenzwang.

Unbeteiligte Kollegen, die Mobbing an ihrem Arbeitsplatz beobachten, sind rechtlich zu keiner Handlung verpflichtet.

Gegen den Mobber lassen sich Ansprüche geltend machen. Mobbing ist juristisch eine Art der Persönlichkeitsverletzung. Unterlassungs-, Schadensersatz- und Schmerzensgeldansprüche sind daher möglich. Die Dokumentation ist vor allem deshalb wichtig, damit sich das Arbeitsgericht ein genaues Bild machen und der gemobbte Arbeitnehmer seine Ansprüche nachweisen kann. Die meisten Klagen scheitern wegen einer fehlenden oder unzulänglichen Darstellung.

Letzte Option für den betroffenen Arbeitnehmer ist die Eigenkündigung. Zuvor sollte aber geprüft werden, ob er ein „Zurückbehaltungsrecht“ an seiner Arbeitskraft geltend machen kann, ohne eine Arbeitgeberkündigung zu riskieren. Das heißt, dass der gemobbte Arbeitnehmer unter ausdrücklichem Verweis auf den Sachverhalt der Arbeit fernbleiben kann, ohne dass der Arbeitgeber das Fehlen als Anlass für eine Kündigung nehmen kann. Vor Ausübung dieses Zurückbehaltungsrechts sollte aber anwaltlicher Rat eingeholt werden, denn berechtigt ist das Fernbleiben nur, wenn auch in diesem Zusammenhang hinreichend konkrete Tatsachen mitgeteilt werden.

Eine Dokumentation kann helfen, sich gegenüber dem Arbeitsamt zu rechtfertigen, weshalb die Eigenkündigung erfolgte und eine Sperrzeit beim Arbeitslosengeld nicht angezeigt ist.

Fürsorgepflicht des Arbeitgebers

Der Arbeitgeber hat gegenüber jedem Arbeitnehmer eine Fürsorgepflicht. Zum Schutz des betroffenen Mitarbeiters stehen dem Arbeitgeber übliche arbeitsvertragliche Mittel zur Verfügung: Er kann den Mobber ermahnen, abmahnen, versetzen, ordentlich kündigen und im Extremfall sogar außerordentlich kündigen. Der betroffene Arbeitnehmer hat jedoch keinen Anspruch darauf, dass dem mobbenden Kollegen gekündigt wird.

In Betrieben mit Betriebsrat kann das Mobbing-Opfer den Betriebsrat auf die Einhaltung seiner Überwachungspflicht aufmerksam machen. Der Betriebsrat kann die Versetzung oder Kündigung des Mobbers verlangen, wenn dieser wiederholt den Betriebsfrieden gestört hat.

Besteht die Möglichkeit, den gemobbten Arbeitnehmer auf einen anderen gleichwertigen Arbeitsplatz zu versetzen, kann der Arbeitgeber hierzu durchaus verpflichtet sein.

Foto: Syda Productions / Shutterstock
 

Teilen auf
Teilen auf Facebook
4
0
Mehr zum Thema
Die Arbeit in der Kita fordert viel – körperlich wie geistig. Einige Anregungen, wie die Freude an der Arbeit auch über einen längeren Zeitraum erhalten werden kann, hat die Expertin Attiya Khan in diesem Beitrag zusammengestellt.
Ein gutes Reaktionsvermögen ist in vielen Alltagssituationen nützlich. Daher kann man nicht früh genug anfangen, die Reaktionsfähigkeit zu trainieren. Einfache Bewegungsspiele in der Kita eignen sich prima, um schon bei den Kleinen die Nervenleitungen für schnelles Reagieren zu bahnen.