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Für die Praxis › Sprache & Gemeinschaft
Veröffentlicht am 09.09.2016  Geschrieben von Diana Schick

Tipps aus der Praxis: Die erste Philosophiestunde

Das erste Philosophieren in der Kita ist eine neue Erfahrung. Die Erzieherinnen Raphaela Zwießler und Katrin Fischer geben im Interviews Tipps, wie die erste Stunde gut gelingen kann.

Wie führt ihr das Philosophieren ein?

Zwießler: Ganz am Anfang erklären wir immer, was Philosophieren ist. Dazu benutzen wir das Bild „Die Schule von Athen“, auf dem die bedeutenden Philosophien vertreten sind, und dann besprechen wir das mit den Kindern: ‚Schaut, so lange gibt es das schon. Die haben auch alle nachgedacht und sich ausgetauscht und zu verschiedenen Themen Gedanken gemacht.‘

Fischer: Zum Teil haben die Kinder dann auch Fotos von sich ausgeschnitten und Kleidung gebastelt und sich mit in die Schule von Athen geklebt, dass sie quasi zu den großen Philosophen dazugehören. Das ist auch immer ein ganz schönes Einstiegsritual.
 

Welche Themen eignen sich für die ersten Einheiten?

Zwießler: Am Anfang steigen wir immer mit Themen ein, mit denen alle Kinder etwas anfangen können: Freundschaft, Wer bin ich, Gerechtigkeit, Angst – das sind so Themen, die alle kennen.

 
Was sollte man Ihrer Ansicht nach unbedingt beachten, wenn Kinder philosophieren?

Zwießler: Dass man die eigenen Gedanken, die man zum Thema hat, zurückhält. Man muss ganz andere Vorstellungen – auch Wertvorstellungen – zulassen können.
Knapp: Was auch noch wichtig ist, ist sich selber den Druck zu nehmen. Auch wenn wir wissen, jetzt ist Philosophenzeit. Es gibt tausend Gründe, warum man sich manchmal nicht konzentrieren kann. Liegt es an mir, liegt es am Wetter, liegt es am Tag? Ich denke mir dann, es war vielleicht nicht philosophieren, aber es war trotzdem wichtig und schön für die Kinder. Weil die Kinder beurteilen für sich ja nicht, ob sie heute philosophiert haben oder nicht.

 
Was möchtet Ihr anderen KollegInnen mitgeben?

Zwießler: Wenn man anfängt zu philosophieren, denken Erwachsene oder Kolleginnen oft, ‚Ne, das trau ich mir nicht zu, ich kenne mich ja selber nicht mit Philosophie aus‘. Ich glaube, die Hemmschwelle ist oft groß, weil wir Erwachsene denken, wir müssen uns perfekt mit Philosophie auskennen, um das bei den Kindern anzuwenden. Wir möchten Kolleginnen diese Angst nehmen, denn so ist es nicht. Jeder kann philosophieren.

Fotos: BMW FIZ Strolche

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