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Für die Praxis › Sprache & Gemeinschaft
Veröffentlicht am 28.07.2016  Geschrieben von Corinna Vogel

Rascheln, Scharren, Knistern: Eine Nachtmusik für Igel, Geist und Fledermaus

Die Nacht wird oft in Verbindung gebracht mit ruhigem, langsamem Geschehen. Die Menschen werden müde, der Tag geht zu Ende und eine beruhigende Stimmung breitet sich aus. Neben diesem meist als angenehm empfundenen „zur Ruhe kommen“ soll in diesem Themenkreis der Fokus auf dem wachen Geschehen liegen, das sich abends zum Beispiel bei nachtaktiven Tieren entwickelt.
Wie ist die Nacht für Igel, Eule und Fledermaus? Diese sind, wie andere Tiere auch, erst nachts richtig munter und nehmen die Nacht ganz anders wahr als wir Menschen. Ergänzend zu diesem Zugang wird ein fantastisches Element durch Nachtgeister sowie eine Erweiterung zu nachts arbeitenden und wachen Menschen vorgestellt. Ein zusätzliches Augenmerk kann auf die Natur gelegt werden: Blumen schließen nachts ihre Blüten, anders als Bäume und das Gras oder Quellen oder der Wind, die alle niemals schlafen.

Ihr braucht:

  • dicke Buntstifte oder Wachsmalstifte und DIN-A4-Blätter
  • Tücher
  • erweitertes Orff-Instrumentarium
  • Wimmelbild: „Nacht“ (unten zum Herunterladen)
  • Lieder: „Ein’ Stimm’ beginnt im Abend sacht“, „Blinke, blinke, kleiner Stern“ (unten zum Herunterladen)

„Ein’ Stimm’ beginnt im Abend sacht“

Die Lehrperson singt den Kindern im Sitzkreis das Lied „Ein Stimm’ beginnt im Abend sacht“ vor
und wiegt sich dazu im Sitzen hin und her.

Sie fordert die Kinder auf, mitzusingen und sich mitzubewegen. Das Lied wird eingeübt, indem die Lehrperson jeweils eine Zeile vorsingt und die Kinder diese Zeile wiederholen. Das Lied wird mit lang klingenden Instrumenten wie Triangel, kleinen Becken oder Fingercymbeln leise begleitet. Die Instrumente spielen auf der 1. Zählzeit oder auf der 1. und 4. Zählzeit, oder die Kinder werden in zwei Gruppen aufgeteilt: Eine Gruppe spielt auf der 1. Zählzeit, eine auf der 4. Zählzeit eines jeden Taktes. Eine andere Möglichkeit ist es, die Kinder in zwei Gruppen aufzuteilen und jeder Gruppe eine Instrumentenart zuzuordnen. Zum Beispiel: Gruppe 1 spielt auf der 1. Zählzeit mit Triangeln, Gruppe 2 auf der 4. Zählzeit mit Fingercymbeln.

Nach mehrmaligem Singen schließt sich ein Gespräch über das Lied und die Stimmung im Lied an: Ruhe, Dunkelheit, Sternenglanz usw. Die Lehrperson leitet über zu der Frage, wie sich eine Nachtmusik anhören könnte, bei der nach und nach die Sterne erwachen. Wie klingt sachte Musik? Kann die Dunkelheit klingen? Wie hören sich die erwachenden Sterne an? Und die Stimme? Was hört man noch? Gibt es Instrumente, die immer laut klingen? Kann jedes Instrument leise klingen? Probieren wir es aus! Gemeinsam werden leise Spielmöglichkeiten auf verschiedenen Instrumenten ausprobiert.

Aus den leisen Klängen wird eine Nachtmusik komponiert. Eine Reihenfolge der erklingenden Instrumente kann von der Lehrperson oder den Kindern festgelegt werden. Manchen Kindern hilft es, wenn sie eine konkrete Vorstellung haben, wen oder was sie mit ihrem Instrument klanglich begleiten: Den Mondschein, einen funkelnden Stern, den aufziehenden Nebel.

Musik und Bewegung zum Wimmelbild

Gemeinsam wird im Sitzkreis das Wimmelbild zur Nacht angeschaut. Was gibt es dort zu sehen? Was passiert? Wer oder was bewegt sich? Eine Katze schleicht durch den Torbogen, ein Pferd galoppiert durch die Nacht, Fledermäuse tanzen, Nachtgespenster kommen vorbei, unterschiedliche Menschen sind unterwegs oder gehen nach Hause. Verschiedene Bewegungen aus dem Bild werden gemeinsam umgesetzt. Dabei wird an der Bewegungsqualität gearbeitet:
Die Katze bewegt sich anders als der Polizist oder das Nachtgespenst. Begriffe, Adjektive, Verben und
Beschreibungen zum jeweiligen Tier/Wesen werden gesammelt:
  • Geist: schnell, huschend, unförmig, schwebend, unheimlich, scheu
  • Katze: schleichend, Sprung, weiche Tatzen, auf der Jagd, gemütlich schnurrend,
  • Krallen ausfahren
  • Polizist: ruhig, vorsichtig
  • Nachtgeister: ruhig, unheimlich, frech
  • Mond: ruhig, bedächtig
  • Ufo: schnell, sirrend

Jedes Kind sucht sich aus, welches Tier, Ding oder Wesen aus dem Bild es in Bewegung darstellen möchte. Für dieses Tier, Mensch, Ding oder Wesen werden zwei verschiedene Fortbewegungsarten (eine schnelle und eine langsame) ausgewählt und ausprobiert.

Instrumentalspiel

Nun wird gemeinsam überlegt, welche Klänge und Geräusche in dem Bild zu hören sein könnten. Verschiedene Tiere und Dinge werden nach den Vorschlägen der Kinder aufgezählt und als Bildkarten in den Kreis gelegt. Die flatternde Fledermaus, die Nachtgestalten, das Pferd, ein fliegendes Ufo, tanzende Glühwürmchen, Wind im Strauch, die Schritte der Menschen, das Klappern der Mülltonne, der Mond. Gemeinsam werden Instrumente zu den ausgewählten Tieren, Menschen, Pflanzen und Dingen ausprobiert. Dazu werden die Instrumente in die Mitte des Sitzkreises gelegt. Jeweils ein Kind macht einen Vorschlag, welches Instrument es für das Tier, den Menschen, das Ding oder die Pflanze für geeignet hält. Das Kind probiert das Instrument aus. Je nach Alter der Kinder kann eine Begründung angefragt werden, warum genau dieses Instrument ausgewählt wurde. Wenn alle
einverstanden sind, wird das Instrument für das Tier, die Pflanze oder das Ding festgelegt. Das Instrument wird unter die entsprechende Bildkarte gelegt oder als Symbol daruntergemalt.

Gemeinsam wird anschließend eine Musik zu den ausgewählten Aspekten des Wimmelbilds erfunden. Jedes Kind erhält eines der zuvor festgelegten Instrumente. Die Instrumente können mehrfach besetzt werden, z. B. spielen drei Kinder Triangel für die Sterne. Ein „Dirigierkind“ wird ausgewählt. (Haben die Kinder keine Erfahrung mit dem Dirigieren, kann die Lehrperson zunächst einige Ideen und Möglichkeiten vormachen, ehe das Dirigat an ein Kind übergeht.)

Die Kinder sitzen mit ihren Instrumenten im Halbkreis dem Dirigierkind gegenüber. Das Kind zeigt durch Handdirigat oder durch Hochheben der Bildkarten an, welches Instrument oder welche Instrumentengruppe spielen soll und wie lange. Es können mehrere Instrumente gleichzeitig spielen, verschiedene Instrumente nacheinander oder im Wechsel. Mit den Handzeichen, den Bildkarten oder mit verabredeten Dirigierbewegungen wird ein musikalischer Ablauf gestaltet. Danach wechselt das Dirgierkind und ein neuer Durchgang beginnt.

Nachtmusik für Igel, Eule und Fledermaus

Kontrastierend zur ruhigen Nachtmusik wird in der Großgruppe besprochen, wie sich eine Nachtmusik für Fledermäuse oder Igel und Füchse anhören könnte. Was erleben diese Tiere nachts? Ist für Tiere wie z. B. Mäuse, Igel, Fledermäuse oder andere nachtaktive Tiere mit sehr gutem Gehör die Nacht vielleicht laut? Können sich diese Tiere schnell bewegen, weil sie gute Augen und Ohren zur Orientierung im Dunkeln haben? Im Sitzkreis liegen verschiedene Instrumente aus. In der Großgruppe werden schnelle und lautere Spielmöglichkeiten auf den Instrumenten ausprobiert. Jedem Tier oder Wesen wird ein Instrument zugeordnet, z. B. Pferd: Claves, Fledermaus: Caxixis, Ufo: Guiro, Geist: Handtrommel.

Gemeinsam wird eine Nachtmusik der nachtaktiven Tiere erfunden. Dazu werden die Instrumente nach Instrumentengruppen an die Kinder im Sitzkreis verteilt. Es gibt eine Claves-Gruppe, eine Caxixi-Gruppe, eine Handtrommel-Gruppe, eine Triangel-Gruppe usw. Es wird festgelegt, welche Instrumentengruppe beginnt, wie diese in Tempo und Rhythmus spielt, welche hinzukommt usw. Der Ablauf kann in einer grafischen Partitur festgehalten werden.

Es gibt auch die Möglichkeit (anhand des Wimmelbildes oder frei), gemeinsam mit den Kindern eine Geschichte zu erfinden, die anschließend vertont wird. Ab dem Grundschulalter sind Verfolgungsgeschichten ein beliebtes Thema, das nach den Ideen der Kinder musikalisch umgesetzt werden kann.

Bewegungsimprovisation: Kontrastierende Bewegungen

Kontrastierend werden die schnellen Bewegungen zur langsamen Musik von Webern ausgeführt. Wie fühlt es sich an, schnelle Bewegungen zur langsamen Musik zu machen? Ist es anders, als langsame Bewegungen zur langsamen Musik? Die langsamen Bewegungen werden zur Musik von Cage ausgeführt: Wie fühlt sich das an?

Die unterschiedlichen Möglichkeiten der Umsetzung von Musik werden besprochen: Wie bindend ist der Ausdruck der Musik? Kann Bewegung kontrapunktisch eingesetzt werden und wie? Wichtig ist, dass deutlich wird, dass Musik nicht einen verbindlichen Ausdruck hat, sondern dass das Ausdruckshören subjektiv ist. Auch das kontrastierende Umsetzen von Musik kann möglich und sehr interessant sein. Können kontrastierende Bewegungen gefunden werden, die trotzdem oder gerade deshalb gut „passen“? Verschiedene Varianten werden ausprobiert.

"Blinke, blinke, kleiner Stern"

Das Lied „Blinke, blinke, kleiner Stern“ wird eingeübt und mit Bewegungen unterstützt:

„Blinke, blinke, kleiner Stern, droben hoch am Himmel“:
mit den Händen „Blinkbewegungen“ ausführen, in der Hocke beginnen, bis in den Stand mit ausgestreckten Armen;

„Schaust herab aus weiter Fern auf das Weltgetümmel“:
Hand über die Augen nach unten blickend, als wäre man der Stern;

„Leuchtest übers ganze Land, funkelst wie ein Diamant“:
einen Halbkreis mit den Armen in die Luft zeichnen, mit ausgestreckten Armen über dem Kopf beginnen nach unten;

„Blinke, kleiner Stern“:
Blinkbewegungen mit den Händen in verschiedenen Richtungen.

Der Inhalt wird thematisiert: Wie sieht der Stern von dort oben die Erde? Ist sie überall dunkel?
Wie sehen Häuser und Bäume von oben aus? Wie klein wirken die Städte vom Himmel aus! Vielleicht
seid ihr schon mal mit dem Flugzeug geflogen und habt die Erde von oben gesehen?

timpano. Elementare Musikpraxis in Themenkreisen für Kinder von 0 bis 10. Hrsg. von Michael Dartsch, Camille Savage-Kroll, Kitty Schmidt, Marianne Steffen-Wittek, Barbara Stiller und Corinna Vogel. Bosse Verlag 2016.
 
Weitere Informationen auf: www.timpano.de

Foto: iofoto / shutterstock

 

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