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Veröffentlicht am 11.07.2016  Geschrieben von Kerstin Hochmuth

Erfahrungsreich

Hohe Bildungsqualität zu einem erschwinglichen Preis. Das will die neue Münchner Kinderkrippe „kiClub“ vereinen. Bei ihrem pädagogischen Konzept setzt sie auf Ko-Konstruktion – und die Erfahrung ihres Gründers.
Prof. Wassilios E. Fthenakis, Chefredakteur von Meine Kita, initiierte und verantwortete unter anderem den Bayerischen Bildungsplan. Im Herbst eröffnet er in München seine erste eigene Kinderkrippe.
 

Meine Kita: Im September 2016 eröffnen Sie in München-Schwabing Ihre erste eigene Kita „kiClub“. Was sind Ihre Beweggründe?

Wassilios E. Fthenakis: Während der vergangenen Jahre hat man die Bildungs- und Betreuungsangebote für unter dreijährige Kinder relativ schnell aufgebaut. Leider hat die Qualität damit nicht Schritt gehalten. Und die Fachkräfte selbst wurden in ihrer Ausbildung auf diese Aufgabe nicht angemessen vorbereitet. Je jünger die Kinder aber sind, desto höher muss die Qualität der Angebote sein. Es haben sich inzwischen eine Reihe privater Einrichtungen etabliert, die hohe Gebühren verlangen. In diesem Spannungsfeld bewegt sich der KiClub. Er ist ein soziales Projekt. Wir möchten zeigen, dass es nicht nötig ist, hohe Gebühren zu verlangen, um den Kleinsten höchste Bildungsqualität zu bieten.

Wie schaffen Sie es, niedrigere Kita-­Gebühren zu verlangen als andere ­private Anbieter?

Ich habe viele Einrichtungen beraten und für das Land Hessen ein Qualifizierungsprogramm für alle Erzieherinnen und Erzieher entwickelt. Diese Erfahrung kommt uns zugute. Viele Anbieter müssen erst die Qualität einkaufen. Das ist nicht nur teuer, sondern auch ein langwieriger Prozess. Bei uns ist das bereits gegeben. Insofern sparen wir uns die teuren Kurse, auf die andere Träger angewiesen sind. Es gibt kaum eine Einrichtung, die auf vergleichbare Erfahrungen zurückgreifen kann.

Was zeichnet das pädagogische Konzept des KiClubs aus?

Dem KiClub-Konzept liegt ein verändertes Verständnis von Lernen und Entwicklung zugrunde: Es definiert Lernen als sozialen Prozess, der von den Kindern selbst, den Fachkräften, anderen Kindern und Erwachsenen ko-konstruiert wird. Wir legen Wert auf die Qualität der Interaktionen. Denn sie sind, empirisch belegt, der Schlüssel für hohe Bildungsqualität. Ko-Konstruktion hilft, das individuelle Lernen mit Formen kooperativen Lernens zu erweitern. Wir betrachten Diversität als eine Quelle für mehr Lernerfahrung sowie für individuellen und kollektiven Gewinn. Dieses Konzept werden wir gemeinsam mit unseren Fachkräften kontinuierlich weiterentwickeln. In unseren Einrichtungen verbinden sich Forschung und Praxis in einer kreativen Ko-Konstruktion. Es ist also eine Evidenz basierende Konzeption, die unser Profil kennzeichnet.

Was antworten Sie Eltern, warum ihr Kind im KiClub besonders gut aufgehoben ist?

Wir stellen die Bedürfnisse des Kindes in den Mittelpunkt, bieten qualitativ hochwertige Angebote zu normalen Preisen, kompetente Fachkräfte, eine enge Partnerschaft mit der Familie, neue Technologien und eine ansprechende architektonische Gestaltung der Innen- und Außenräume. Bei uns wird es keine separaten Spiel- und Schlafräume geben. Die Stärkung der kindlichen Persönlichkeit, vor allem aber die Entwicklung eines sicheren Selbstkonzeptes, stellen zentrale Aspekte der Bildung in diesen Entwicklungsstufen dar. Das steht nicht im Widerspruch, Kindern ihre fröhliche Kindheit zu sichern und in der unverwechselbaren Kombination Spielen und Lernen ihren Alltag bei uns zu gestalten. Gesunde Ernährung, Bewegung, soziale Aktivitäten und die Stärkung der Sprachkompetenz ergänzen diesen holistischen Ansatz. Darüber hinaus werde ich den Familien helfen, ihren eigenen Alltag als einen spannenden Bildungsort für ihre Kinder zu konzeptualisieren.

Was unterscheidet den KiClub als Arbeitgeber von anderen privaten Kitas?

Ich stelle meine über 40-jährige Forschungstätigkeit und Erfahrung den Kindern, ihren Familien und den Fachkräften zur Verfügung. Ich werde dafür sorgen, dass das Personal gut fortgebildet wird und häufig in der Einrichtung anwesend sein. Für alle Fragen, die die Fachkräfte haben, stehe ich selbst zur Verfügung.

Planen Sie, weitere Einrichtungen zu eröffnen?

Unser Ehrgeiz ist groß, und unser Projekt offen für ganz Deutschland. Darüber hinaus bin ich derzeit in konkreten Verhandlungen mit chinesischen Partnern, ein solches Konzept auch dort flächendeckend umzusetzen, nachdem die frühe Bildung in China derzeit eine Renaissance erlebt.


Was ist der „kiClub“?
  • Alter der Kinder: Unter Dreijährige
  • Anzahl der betreuten Kinder: 48
  • Personalschlüssel: Auf vier Gruppen mit je 12 Kindern kommen zwischen 11 und 12 Fachkräfte (Münchner Förderformel)
  • Gebühren: Maximal 444 Euro im Monat
  • Die Gebühren folgen den Vorgaben der Stadt München und können sozial gestaffelt sein.
  • Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 7 bis 18.30 Uhr

Mehr Informationen auf: www.kiclub.de

Foto: Diego Cervo/shutterstock

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