Anmelden
Für die Praxis › Kita digital
Veröffentlicht am 23.10.2017  Geschrieben von Redaktion

Die beste Seite der Kita

Die eigene Kita-Homepage fördert die Außendarstellung und die Erziehungs- und Bildungspartnerschaft mit Eltern. Das Beispiel einer bayerischen Einrichtung zeigt, warum keine Kita mehr darauf verzichten sollte.
Wer eine Telefonnummer sucht, ein Hotel buchen oder eine Versicherung abschließen will, geht erst einmal ins Internet. Auch die Suche nach einem Kita-Platz starten viele Eltern im Netz. Doch dort ist nicht jede Kita zu finden und wenn, dann oft mit verwaisten Seiten. „Wer nicht im Netz ist, ist unsichtbar – zumindest für einen großen Teil der Eltern und sonstiger Ansprechpartner von Kitas und kommt bei vielen gar nicht erst in die engere Wahl. Das gilt auch für Kitas“, sagt Gabriele Dahle. Seit über zehn Jahren berät sie Kitas bei Strategieentwicklung, Qualität und Kita-Marketing. Geht es nach ihr, sollte jede Kita eine eigene Homepage haben, auch wenn der Träger eine hat: „Der Träger entwickelt zwar das Profil der Kitas, aber auch unter einem Dach ist jede Kita individuell. Und das sollte jede Einrichtung mit einer eigenen Homepage zeigen und nicht nur in einer Liste auf der Homepage des Trägers auftauchen“, empfiehlt sie.
 
Eine Homepage ist die Visitenkarte, das Aushängeschild, der so wichtige Außen­auftritt einer Kita – und die vielleicht bedeutendste Kommunikations- und Informationsplattform für Eltern in einer modernen Erziehungs- und Bildungspartnerschaft. Zudem sind die meisten Eltern längst an einen schnellen Kommunikationsfluss und ständig verfügbare Informationen gewöhnt. Da können Pinnwandzettel, Elternbriefe und selbst Info-Mails kaum mithalten.

Eine Homepage ist die Visitenkarte, das Aushängeschild der Kita.

 
Mit der Homepage zeigt die Kita: Das sind wir! Dafür stehen wir! Kinder und Eltern, kommt zu uns! Fotos geben der Kita ein Gesicht, regelmäßig aktualisierte Inhalte schaffen Transparenz: „Wir leben in einer Klick- und Bildgesellschaft, Bilder sind wichtiger als Texte“, sagt Webdesigner Benjamin Schlechter, der Internetseiten für Kitas entwirft. Ein pädagogisches Konzept kann noch so gut sein: Es wird nicht gelesen, wenn die Seite nicht auch optisch ansprech­end aufbereitet ist.

Einen neuen optischen und inhaltlichen Anstrich wollte auch der Familienvater Thomas M. Stein der Homepage der Kita seiner Tochter verpassen, nachdem er regelmäßig vor der Pinnwand Schlange stehen musste, um die wichtigsten Eltern-Infos zu erhaschen. Kurzerhand entschloss sich der ehemalige Musikpromoter, der heute eine Marketinggesellschaft betreibt, mit seinen Programmierern eine Software zu entwickeln, mit der die Kita seiner Tochter eine Homepage selbst gestalten und aktualisieren kann.
 
Gemeinsam mit Kita-Leiterin Sylke Rudolf, dem Vorstand und den Erzieherinnen der Karwendel-Kiste in Baldham bei München ging es an die Konzeption: Übersichtlich, klar strukturiert und mit einem geschlossenen Bereich für Mitarbeiter und Eltern – das wünschte sich das Karwendel-Kisten-Team für die ­Seite. „Uns war auch wichtig, dass die ­Seite das Herz unserer Kita widerspiegelt, zeigt, wie sie ist: freundlich und hell“, erklärt Sylke Rudolf.

Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis sich Kita-Eltern in einem Blog über den Alltag der Kids austauschen.


Vier Monate dauerte es, bis die Homepage Anfang 2012 online ging. Von der Startseite grüßen nun Kita-Kinder, ein Hase und ein Bär. Vom Homepage-Himmel strahlt eine selbstgemalte Sonne.
„Eine Kita kann sich entscheiden, inwieweit die Kinder ins Layout der Seite integriert werden sollen“, erklärt Webdesigner Benjamin Schlechter, der die Karwendel-­Kisten-Seite mitgestaltete: Entsprechend wirke die Seite seriöser oder kindlich-verspielter.
 
Die Homepage der Karwendel-Kiste ist längst ein wichtiges Kommunikationsmittel mit den Eltern. Am häufigsten klicken sich diese durch Wochenpläne und Terminkalender. Um die sehen zu können, muss man sich in den passwortgeschützten Bereich einloggen. „Was nur für die Eltern gedacht ist, sollte nicht öffentlich zu sehen sein“, empfiehlt Benjamin Schlechter. Dort gibt es außerdem eine virtuelle Pinnwand. „Die kommt super an“, sagt Schlechter nach einem Blick auf die Zugriffszahlen. Wer etwas tauschen, verkaufen oder verschenken will, bietet dort Kinderklamotten oder Spielzeug an. Sie ist gleichzeitig die einzige Seite, auf der Eltern selbst Inhalte online stellen können.


Von der Start­seite grüßen Kita-Kinder, vom Homepage-Himmel strahlt eine selbstgemalte Sonne.


Geht es nach Gabriele Dahle, ist genau diese Interaktion, die Kommunikation, die in beide Richtungen funktioniert, das Kommunikationsmodell der Zukunft: „Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis sich Kita-Eltern in einem Blog über den Alltag der Kids austauschen oder sich in Online-Gesprächen mit Fachleuten aus vernetzen Beratungsstellen Tipps holen“, sagt sie. Denkbar sei auch, dass zukünftig ehemalige Eltern und Kinder über die Kita-Homepage in Kontakt bleiben, eine Kita sich online von Eltern bewerten lässt oder Links und Verweise zu Bildungsträgern, Fachhochschulen oder etwa Logopäden auf der Kita-Seite zu finden sind. Was das Netz bereits hundertfach in anderen Bereichen bietet, passe auch für Kitas, ist Dahle überzeugt. Allerdings empfiehlt Schlechter, vorher genau festzulegen, wer welche Inhalte auf der Kita-Homepage ändern oder hinzufügen darf und alles vor Erscheinen durch das Kita-Personal prüfen zu lassen.

 Natürlich verbringen Sylke Rudolf und ihr Team jetzt mehr Zeit vor dem Rechner.

 
Oft sitzt Sylke Rudolf gemeinsam mit Kindern vor dem Computer, um zu überlegen, was die Seite noch schöner machen würde. „Sie sollen sich mit dem Internet­auftritt identifizieren“, findet Rudolf. Spielerisch soll es sein, eher als Aufforderung zum Mitmachen. Medienkompetenzvermittlung wie nebenbei. Natürlich verbringen Sylke Rudolf und ihr Team jetzt mehr Zeit vor dem Rechner. Min­­­­­­destens zwei Stunden in der Woche seien notwendig, um die Homepage aktuell zu halten, sagt die Leiterin. Besonders zeitaufwändig sind Fotos: Das Auswählen, Kleinrechnen – weil sie in Originalgröße zu lange laden würden – und Hochladen kostet Zeit.
Und Zeit ist genau das, was den meisten Fachkräften heute fehlt: Wie soll man in der ohnehin schon knappen Zeit auch noch homepagetaugliche Texte verfassen, Terminpläne aktualisieren, Fotos auswählen und online stellen?
 
„Der Außenauftritt, wenn er gut und angemessen sein soll, bedeutet richtig Arbeit. Aber die lohnt sich“, weiß Gabriele Dahle. Allerdings müsse man dafür die entsprechenden Ressourcen einplanen: Zeit, Leute und Geld.
Eine Regel, wie oft eine Homepage aktualisiert werden sollte, gibt es nicht. Sinnvoll sei es nach Bedarf, etwa bei einem neuen Termin, empfiehlt Schlechter.
Alle sieben Tage steht auf der Karwendel-Kistenseite ein neuer Wochenplan online und die Leiterin berichtet einmal pro Woche im sogenannten „Blitzlicht“ über das, was in der letzten Woche in der Kita geschehen ist. Die Eltern finden das toll, fast alle schauen regelmäßig auf die Seite.
 
Ein bisschen Glück gehörte bei Rudolf natürlich dazu: Nicht immer gibt es Eltern, die eigens eine Software entwickeln. Thomas M. Stein denkt mittlerweile sogar darüber nach, sie weiter zu vermarkten: Bei seinem Unternehmen Clowns & Helden soll es die Software „Kiwi“ ab demnächst zu kaufen geben. Um die 2000 Euro, schätzt Stein, wird die Open-Source-Software kosten.

„Man sollte sich der Technik nicht verschließen und damit umgehen können. Das gehört heute einfach zu den Aufgaben und Tätigkeiten einer Fachkraft.“

 
Auf dem Markt tummeln sich eine Vielzahl an Anbietern, in allen Preisklassen und für jeden Bedarf. Ortsansässige Internetagenturen bieten die Homepage-Umsetzung ebenso an wie Onlineportale, mit denen sich Interneterfahrene ihre Seite kostenlos selbst erstellen können. Komfortabler, dafür mitunter etwas teurer, sind speziell auf den Kitabereich abgestimmte Softwareprogramme. Dafür gehört oft eine persönliche Einführung zum Leis­tungspaket, wie bei Stein. Einige Kita-Verwaltungsprogramme haben die Homepage-Funktion gleich mit integriert, wie Kigaroo, eine Art Komplettlösung, die Organisations-, Verwaltungs- und Kommunikationstool in einem ist: Die Homepage lässt sich mit wenigen Klicks ­gestalten, die Inhalte speisen sich aus den freigegebenen Teilen der Verwaltungsdatenbank. Eltern haben somit Zugriff auf Fotoalben, Veranstaltungskalender oder Stammdaten der anderen Kinder und Eltern. 
 
Sylke Rudolf will heute nicht mehr auf ihre Homepage verzichten, trotz des Mehraufwands – und sie rät allen Kitas: „Man sollte sich der Technik nicht verschließen und damit umgehen können. Das gehört heute einfach zu den Aufgaben und Tätigkeiten einer Fachkraft.“

Foto: shutterstock.com

Teilen auf
Teilen auf Facebook
8
0