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Für die Praxis › Kita digital
Veröffentlicht am 21.05.2017  Geschrieben von Redaktion

App-solut informiert

Kita-Fotos aufs Handy schicken, Krankmeldungen mobil ­verwalten oder Portfolios einsehen: Apps sollen die Kommunikation ­zwischen Eltern und Kita zukünftig zeitgemäß ergänzen.
Die einen ziehen gerade noch die Schuhe aus, da stürmen die anderen Kinder schon den Gang entlang, zwei Jungen suchen lautstark eine Mütze, ein Vater will wissen, ob er die neuen Fotos sehen kann und dann klingelt auch noch das Telefon: die zweite Krankmeldung an diesem Morgen in der Kindertagesstätte Elmar in Egloffstein in der Fränkischen Schweiz. Kita-Leiterin Elke Raschzok-Falk spricht kurz in den Hörer, trägt den Namen des Kindes im Büro in den Plan ein und eilt zurück zum Eingang, zwei Mütter haben noch ein paar Fragen.
Demnächst sollen trubelige Morgen etwas ruhiger werden: Eine neue App wird die Kommunikation zwischen Einrichtung und Elternhaus ergänzen. Eltern können ihr Kind über ihr Smartphone krank melden, Fotos aus der Einrichtung unterwegs ansehen oder aktuelle Termine mobil abrufen.
 
Fast jeder zweite Deutsche besitzt mittlerweile ein Smartphone, auch beinahe die gesamte Egloffsteiner Elternschaft. Einige haben sich die App bereits heruntergeladen, auch wenn der eigentliche Startschuss erst in ein paar Wochen auf dem Elternabend fällt. Im zehnköpfigen Kita-Team sind die Meinungen noch gespalten. „Wir sind ein altersgemischtes Team mit einigen Kolleginnen, die nicht so firm sind mit Handy und PC“, erklärt Kita-Leiterin Raschzok-Falk, „aber wir wollen durch die App einfach mehr Transparenz für die Eltern schaffen“.
 
Die App gehört zum Kita-Verwaltungsprogramm Kigaroo, das in der Kindertagesstätte Elmar seit einigen Monaten genutzt wird. Raschzok-Falk erstellt damit Rechnungen oder verwaltet Kinderdaten. Andere Bereiche der alltäglichen Arbeit laufen noch ganz klassisch in Teambesprechungen, in denen Protokolle geschrieben werden, auch den gedruckten Elternbrief steckt sie nach wie vor den Kindern in die Tasche, darauf will sie nicht verzichten. Noch nicht. Doch auf lange Sicht werde die Kommunikation mit den Eltern mehr und mehr ins Internet verlagert, ist sie überzeugt. Dann will sie nur noch besonders schön gestaltete Einladungen ausdrucken und verteilen, alles andere laufe dann online und mobil.

„Wir wollen durch die App einfach mehr ­Transparenz für die ­Eltern schaffen.“

Weil die neue Generation Eltern sich viele Informationen über das Internet und ihr Smartphone holt, rüsten auch andere Bereiche rund um Kitas auf, etwa bei der Suche nach Kindertageseinrichtungen. In Nordrhein-Westfalen hat das Familienministerium den sogenannten „KiTa-Finder“ eingerichtet, mit dem man über eine App gezielt nach Kindertageseinrichtungen im Umkreis des Wohnortes suchen kann. Dort finden Eltern Kontaktdaten, Angaben zu Anzahl der Gruppen, dem pädagogischen Konzept oder freien Plätzen und Links zu den Webseiten der Einrichtungen. Die Universität Bayreuth hat eine Laut-Leise-App für Kitas entwickelt, die die Lautstärke in der Einrichtung misst und entsprechend dem individuell festgelegten Grenzwert ein Warnsignal gibt, wenn dieser überschritten wird. Auch für die Kinder, selbst für die kleinsten, bietet der App-Markt mittlerweile eine breite Auswahl an Lern- und Spiel-Apps. Auch wenn diese in den Einrichtungen nur sehr vereinzelt eingesetzt werden: In 14 Prozent der deutschen Haushalte mit Kindern sind sie längst auf Smartphones und Tablets installiert.

Seit zwei Jahren hat die Kindertagesstätte Elmar auch einen eigenen Facebook-Account, alle paar Wochen postet Raschzok-Falk Infos, über sechzig Likes hat die Seite derzeit. „Wenn ich auf Facebook den Elternabend morgen ankündige, dann erreiche ich damit mittlerweile mehr Eltern, als wenn ich das im Eingangsbereich an das schwarze Brett schreibe“, beobachtet sie. Viele Eltern haben die Facebook-App auf ihrem Smartphone installiert und werden benachrichtigt, wenn eine neue Meldung eingestellt wurde. Auch über die kita­eigene Homepage hält sie die Eltern mit Terminen und ­Vorankündigungen auf dem Laufenden. Damit ­erreicht sie vor allem neue Eltern und diejenigen, die kein Smartphone besitzen. Sie will, dass möglichst viele Infos über die Einrichtung online zu finden sind. Nur mit Fotos der Kinder ist sie vorsichtig geworden, nachdem sich im letzten Kommunalwahlkampf eine kleine Wählerinitiative eines der Bilder als Wahlwerbung von der Seite kopierte. „Natürlich ist das mit der Homepage zeitaufwändig und es dauert, alle Infos immer aktuell einzupflegen. Aber ich finde das einfach wichtig“, erklärt Raschzok-Falk, auch wenn sogar viel Freizeit dafür drauf geht.

Die Erzieherinnen können von ihrem Handy aus auf das ­Verwaltungssystem zugreifen und die ­täglich anfallenden Arbeitsschritte darüber ­erledigen.

Nicht viele Kitas haben einen ähnlichen Medienmix zur Elternkommunikation. „Viele freie Träger meinen, sie bräuchten das für ihre Erzieherinnen nicht“, beobachtet Raschzok-Falk. Dennoch ist sie überzeugt, dass angesichts der neuen Elterngeneration irgendwann alle Einrichtungen umstellen müssten. „Wir möchten, dass die Eltern ohne große Hürden, mit ein paar Klicks alle Infos finden“, erklärt sie. Das schwarze Brett im Eingang und die Flipcharts vor den Gruppenräumen möchte sie dennoch beibehalten, zusätzlich. Für Eltern ohne Smartphone.
 
Beim Montessori Verein Ansbach setzt die Kommunikation mit den Eltern bei der pädagogischen Arbeit der Kita an: das Krippenteam erstellt die Portfolios und Beobachtungsbögen anhand der Stepfolio-App auf dem iPad. In jeder Gruppe liegt seit einem Jahr ein Tablet für die Fachkräfte. „Früher haben wir mit der Digitalkamera Bilder gemacht, auf den PC geladen, ausgewählt, ausgedruckt und in die Portfolios geklebt“, erinnert sich Marion Lepold, die Vorstandsvorsitzende des Montessori Vereins. „Nun ruft sich die Erzieherin das Portfolio des Kindes über die App auf, macht ein Bild mit dem iPad und hat das gleich auf der Portfolioseite des Kindes, kann im gleichen Arbeitsgang Titel und Text dazu schreiben und den fertigen Portfolioeintrag direkt ausdrucken.“ Seitdem ist die Anzahl der Portfolioeinträge merklich gestiegen. Gerade im Krippenbereich geschehen jeden Tag viele kleine Entwicklungsschritte, die morgens von den Fachkräften über das Tablet eingetragen und Mittags von den Eltern eingesehen werden können. Zukünftig sollen sie auch von zu Hause auf das Portfolio ihres Kindes zugreifen und eigene Einträge erstellen können. „Die Arbeit in der Krippe lebt ja auch davon, zu wissen, was bei den Kindern zu Hause passiert“, erklärt Marion Lepold. „Wenn einzelne neue Wörter auftauchen, zum Beispiel ‚Boot‘ und ich sehe dann im Portfolio, dass das Kind am Wochenende mit dem Papa Bootfahren war, kann ich das als Erzieherin viel besser einordnen. Und auch die Beobachtungsbögen können direkt in der App erfasst, ausgefüllt und ausgewertet werden, das spart sehr viel Zeit.“

Das Krippenteam ­erstellt die Portfolios und ­Beobachtungsbögen ­anhand einerApp auf dem iPad.

Voraussetzung sind ausreichend mobile Geräte in der Kita. Die gibt es jedoch meistens nicht, oft steht sogar nur ein Computer für alle zur Verfügung. Smartphones hingegen nutzen viele Fachkräfte ohnehin schon. Darauf setzt auch die App Hokita: Die Erzieherinnen können von ihrem Handy aus auf das Verwaltungssystem zugreifen und die täglich anfallenden Arbeitsschritte vom Jugendamt, über den Träger bis zur Kita-Gruppenverwaltung darüber erledigen. Auch Dienstpläne, An- und Abwesenheiten werden erfasst. Über die zugehörige Eltern-App werden Krankmeldungen, verspätetes Kommen oder Fragen der Eltern direkt auf die Smartphones der Fachkraft geleitet. „Der rasante Anstieg der Verkaufszahlen von Smartphones, fordert den Markt für mobile Anwendungen“, sagt Frank Henzel von Hokita. „Die Grenzen, die es bislang zwischen Desktop-Anwendungen und mobilen Apps gibt, werden immer mehr verwischen.“
 
Die ersten Kitas haben Apps für die Kommunikation zwischen Einrichtung und Eltern getestet, die Eltern fragen häufiger danach, die meisten Fachkräfte, die schon mit Apps arbeiten, finden die Neuerungen praktisch, auch wenn erst mal etwas mehr Zeit dafür drauf geht. So ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis Apps im Rahmen der Bildungspartnerschaft mit Eltern zu einem weiteren, ganz gewöhnlichen Kommunikationsmittel werden.
 

Foto: Yuri-Arcurs / shutterstock.com
 

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