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Für die Praxis › Sprache & Gemeinschaft
Veröffentlicht am 27.06.2016  Geschrieben von Redaktion

Der wunderbare Geschichtenerzähler

Otfried Preußler ist einer der fantastischsten Kinderbuchautoren des 20. Jahrhunderts. Vor drei Jahren verstarb er. Seine Geschichten bleiben und sind meist der erste Kontakt von Kindern zur Literatur.
Jeder kennt sie: Räuber Hotzenplotz mit seiner gezogenen Pfefferpistole, das kleine Gespenst auf der Burg Eulenstein und den Wachtmeister Dimpfelmoser auf dem Fahrrad. Abends, vor dem Bettgehen. Ganz heimlich, Seite für Seite, unter der Decke und mit einer Taschenlampe in der Hand. Ihr Erfinder Otfried Preußler bringt mit seinen Geschichten über Hexen und Zauberer Kinder zum Lachen und zum Lesen.
Die Stiftung Lesen empfiehlt seine Bücher als Vorlese-Lektüre für Kita und Schule, ihre Botschafter lesen aus „Der kleine Wassermann“ in Kitas vor, um die Kinder an Sprache und Lesen heranzuführen.
 
Manchmal nannte Preußler sich selbst „das Einmanntheater vor lebendigem Publikum“. Insgesamt 32 Titel, in
55 Sprachen übersetzt, wurden weltweit mehr als 50 Millionen Mal verkauft. Die Wurzeln seiner Geschichten liegen in seiner Heimat. Preußler wurde am 20. Oktober 1923 im böhmischen Reichenberg geboren. Seine Großmutter Dora erzählte ihm Geschichten von Hexen, Raubschützen und Gespenstern aus dem Böhmerwald. Preußler sagte einmal, das Geschichtenbuch seiner Großmutter, das es in Wahrheit gar nicht gegeben hat, sei das bedeutendste Buch für ihn gewesen.
 
Kurz nach seinem Abitur wurde er von der Wehrmacht eingezogen und geriet in sowjetische Gefangenschaft, hinter Stacheldraht irgendwo am Fluss Kama in Russland. Nach fünf Jahren wurde er freigelassen – und fand seine Familie und seine Verlobte im oberbayerischen Rosenheim wieder. Dort studierte er Lehramt und hat während des Studiums Kindergeschichten für den Rundfunk geschrieben. Er unterrichtete, wie er selbst erzählte, ausgesprochen gern. Wenn Kinder nicht mehr aufpassten, erzählte Preußler Geschichten. Und er merkte, dass er das gut konnte. Dass es die Kinder liebten.
 
Mit dem Schreiben hörte er nicht auf. 1956 veröffentlichte er das Buch „Der kleine Wassermann“, sein erster großer Erfolg, für das er 1957 mit dem Sonderpreis für Text und Illustration des Deutschen Jugendliteraturpreises ausgezeichnet wurde. Es folgten „Die kleine Hexe“, „Kater Mikesch“, „Der Räuber Hotzenplotz“, „Das kleine Gespenst“ und „Die Abenteuer der starken Wanja“. Viele sind weitererzählte Geschichten aus dem Reich der böhmischen und slawischen Sagenwelt. Über den Nationalsozialismus und die Gefangenschaft hat er kaum geschrieben. Wohl aber verarbeitet er in seinem bedeutendsten Roman, dem Jugendbuch „Krabat“, bei dem sich ein junger Waisenjunge mit den dunklen Mächten einlässt, seine Erfahrungen.
 
Preußler war ein fantastischer Autor, der, jenseits seiner großen Werke, zurückgezogen in Oberbayern, zuletzt am Chiemsee, lebte und 2013 im Alter von 89 Jahren starb. Seine Geschichten über Hexen und Zauberer werden jedoch auch weiterhin so manchem Kind die Welt zur Literatur öffnen.
 
 Foto: bokan/shutterstock

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