Anmelden
Für die Praxis › Forschen & Entdecken
Veröffentlicht am 09.06.2016  Geschrieben von Redaktion

Auf die Plätze, fertig, spielen!

Was macht einen guten Spielplatz aus? Meine Kita hat Kinder, einen Spielplatzgestalter, einen Erzieher und einen TÜV-Prüfer gefragt.

Der Spielplatzbauer


Günter Beltzig,  75  Jahre, designte in den  1960er-Jahren bunte Kunststoff­­möbel. Ein  Stuhl von ihm steht im  New Yorker Museum of Modern Art. Seit den 1970er-Jahren entwirft er Spielplätze.
 
Eine Schaukel und Rutsche mitten in eine Siedlung hineingebaut, zwischen Reihenhäusern. Für Günter Beltzig
ist das kein schöner Spielplatz. „Ich hätte beispielsweise Lust zu spielen, wenn es verwildertes Gelände gibt“, sagt er. Und nicht nur das: Sauberes Wasser zum Matschspielen, Sand, Hügel, eine große Nestschaukel, einen Tobebereich, Aussichtspunkte und Rückzugsbereiche für die Kinder gehören für den Spielplatzarchitekten dazu. „Spielgeräte sind nicht so wichtig, wie wir Erwachsene vielleicht glauben.“
 
Seit knapp 40 Jahren entwirft Günter Beltzig Spielplätze. „Schön ist es, wenn Spielplätze groß sind. Es ist ideal, wenn der Platz abgeschirmt ist, weil die Kinder dann richtig laut sein können. Ich habe auch Spielplätze ohne Geräte gebaut. Das funktioniert prima. Auch einen Bereich für ganz kleine Kinder sollte es geben“, sagt er.
 
Bevor er einen Spielplatz entwirft, besucht Beltzig das Grundstück. Man sollte es ohne Probleme umbauen können. Wenn das Umfeld unangenehm ist – nebenan ist eine Fabrikanlage oder unschöne Bauten –, können Hügel den Spielplatz verstecken. „An was jeder Planer auch denken soll, ist die Pinkelmöglichkeit.“ Von einer Toilette rät er ab. Ein Kiosk mit abschließbarer Toilette sei die optimale Lösung. „Und zur Not können die Kinder auch  in die Büsche gehen.“ Wenn es verwildertes Gelände gibt.
 

Der Spielplatzprüfer


Franz Danner (57 Jahre), Diplomingenieur für Maschinenbau, ist Sachverständiger für Spielplatzgeräte beim TÜV Süd.
 
Wie viele Spielplätze Franz Danner bereits besucht hat, kann er nicht genau sagen. Es sind mehrere 10 000. Danner ist seit 1987 Sachverständiger für Spielplatzgeräte beim TÜV Süd und kontrolliert, ob die Spielgeräte stabil sind, das Holz beispielsweise nicht fault und verwittert.
 
Einmal im Jahr sollte ein Sachverständiger Spielplätze überprüfen. „Bei der sogenannten Hauptinspektion beurteile ich, ob Geräte, Fundamente und Oberflächen in einem guten Zustand sind, sodass die Kinder keiner Gefährdung ausgesetzt sind“, sagt er. Manchmal muss er das Fundament freilegen, um zu überprüfen, ob es verrottet. Dafür hat er immer eine Schaufel dabei. „Auch kommen Hammer, Stichling, Feuchtemessgerät, Bohrwiderstandsmessgerät und Spanngurte für Lastprüfungen zum Einsatz.“ Einmal die Woche sollten die Spielplatzbetreiber selbst nachsehen, ob Glasflaschen auf dem Spielplatz liegen und es augenscheinlich keine großen Mängel gibt.
 
Die häufigsten Missstände bei Kinderspielplätzen sind zu geringe Sicherheitsabstände oder Gegenstände in Fallbereichen. Schwerwiegende Mängel gibt es selten. Doch: „Selbst die sicherste Anlage kann bei falschem Verhalten zu Unfällen führen.
Kinder sollen ihre Fahrradhelme abnehmen und an ihrer Kleidung sollen keine Kordeln oder Zugbänder sein“, sagt Danner. Besonders wichtig: Fachkräfte sollten Kinder nicht auf Spielgeräte heben, denn die Barrieren der Geräte sind für das Alter der Kinder ausgerichtet.
 

Die Spieler


Meine Kita: Was muss ein Spielplatz haben?
 
Anna, 7 Jahre: „Eine megadolle Rutsche und ein Klettergerüst, wo man ganz gut klettern kann. Eine coole Wippe, wo man auch auf den Popo donnert, wenn man zu fest wippt. Und auf jeden Fall eine gute Schaukel, die richtig hoch geht.“
 
Valentina, 6 Jahre: „Ich mag ein Klettergerüst und eine Schaukel auf dem Spielplatz haben. Wenn eine Riesenrutschbahn nicht da ist, ist das blöd. Babysachen mag ich auch nicht.“
 
 

Der Spielleiter

Florian Esser ist Erzieher in Aachen und weiß, warum Spielplätze für Kinder wichtig sind.  Er sagt: „Das Spiel im Freien bietet Selbstbildung und Entwicklungsförderung in allen Bildungsbereichen.“
 
Die Kinder rennen los. Ihr Ziel ist das Klettergerüst und der Sandkasten, in dem bunte Förmchen verstreut herumliegen. Ihr Erzieher Florian Esser lässt sich von der Freude der Kinder anstecken. „Das Schönste ist, dass es für jedes Kind und jedes Alter eine Spiel- und Beschäftigungsmöglichkeit auf einem Spielplatz gibt“, sagt er. Egal ob Klettergerüst, Sandkasten, Rutsche – wichtig ist für Esser, dass die Kinder draußen spielen, da die ganzheitliche Umgebung immer wieder neue Impulse gibt.
 
Sobald das Wetter es zulässt, geht Esser mit den
Kindern raus auf den Spielplatz. „Das Spiel im Freien bietet exzellente Selbstbildung und Entwicklungsförderung in allen Bildungsbereichen.“ Vor allem in der digitalisierten Welt, „die sich, so scheint es, immer schneller dreht“, sei es wichtig, dass Kinder zur Ruhe kommen und sich selbst finden könnten, sagt der Erzieher.
Kinder brauchen Bildungsräume, in denen sie mit allen Sinnen forschen dürfen, wo sie frei sind und ihr Spielverhalten nicht durch gesellschaftliche Stereotypen diktiert wird.

Fotos: Privat; Philip Date/shutterstock
 

Teilen auf
Teilen auf Facebook
0
0
Mehr zum Thema
„Bin ich nicht wunderschön, ich hab mir ganz viel Waldschminke ins Gesicht gemacht“, sagt die fünfjährige Sandra zu Förster Oliver Balke mit großem Selbstbewusstsein. Der Förster ist verdutzt, denn das Gesicht des Mädchens ist über und über mit Schlamm bedeckt. Sandra bemerkt seinen fragenden Blick und erklärt: „Meine Mama...
Oft befnden wir uns mit Kindern in einer Situation, in der wir kein Beschäftigungsmaterial zur Verfügung haben, Situationen, in denen wir damit konfrontiert sind, dass die Kinder voller Bewegungsdrang sind. In diesen Situationen denken wir oft darüber nach: Was machen wir jetzt? Wie können wir dem Bedürfnis der Kinder nachgehen? Wi...