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Für die Praxis › Sprache & Gemeinschaft
Veröffentlicht am 17.05.2017  Geschrieben von Gerhard Friedrich, Viola de Galgóczy und Cornelia Klein

Und was denkst du?

Mit ein paar einfachen Kniffen und Regeln können Fachkräfte ein philosophisch-ethisches Gespräch mit Kita-Kindern anleiten. Bei gemeinsamen Gesprächen ist es hilfreich, bestimmte, für eine fruchtbare Kommunikation förderliche Regeln aufzustellen und zu befolgen. Zu diesen gehören beispielsweise das gegenseitige aufmerksame Zuhören, gegenseitiger Respekt, Neugierde, Toleranz und Offenheit gegenüber Fragen und Meinungen aller am Gespräch teilnehmenden Personen
Es ist dabei keinesfalls wichtig, wer am Ende recht behält, wessen Ideen als Antworten auf Fragen mehr oder weniger taugen, wer besser oder schlechter diskutieren kann oder sich verbal geschickt oder ungeschickt ausdrückt. Es geht einzig und allein darum, gemeinsam Erkenntnisse zu gewinnen und aus diesen zu lernen.

Eine moderierende Erzieherin sollte die Kommunikation der Kinder untereinander fördern, die Kinder also dazu anregen, ihre jeweiligen Ideen, Fantasien, Gefühle, Vermutungen, Vorstellungen, Meinungen und Gedanken zu einem bestimmten philosophischen Thema miteinander auszutauschen.
 
Für diesen Zweck könnte ein bestimmter Ort, beispielsweise eine „philosophische Ecke“, ein Sitzkreis, ein bestimmtes Zimmer oder Ähnliches bereitgestellt werden.
 
Eine Diskussionsrunde sollte möglichst zu einer festgelegten Zeit stattfinden und könnte mit einem kleinen gemeinsamen Lied oder Ritual beginnen. Wer zu einem Thema etwas beisteuern möchte, gibt ein Zeichen, zum Beispiel Hand heben, einmal in die Hände klatschen, aus einer Kiste mit kleinen Bällen einen Ball nehmen und nach dem Gesprächsbeitrag wieder zurücklegen.
 
Innerhalb der Gruppe könnte auch ein Kind als Gesprächsmoderator bestimmt werden, der die jeweiligen Meldungen abruft. Nicht jede Gesprächsrunde endet mit dem Finden einer Antwort auf eine Frage oder der Lösung eines Problems. Hier ist der Weg das Ziel.
 
Die moderierende Person könnte das Ergebnis eines Gesprächs oder dessen Verlauf kurz zusammenfassen, um es allen Kindern nochmals zu verdeutlichen. Ein solches Gespräch darf heiter und trotzdem ernsthaft sein, kann wilde Fantastereien beinhalten, wird vielleicht streng logisch oder auch sprunghaft assoziativ verlaufen und sollte von der moderierenden Person nicht allzu sehr beeinflusst oder gelenkt werden.
 
Gesprächstechniken, wie beispielsweise das Paraphrasieren – mit eigenen Worten das Gehörte wiedergeben –, bildhafte Formulierungen, Erörterungen und Vergleiche oder auch eine behutsame Fokussierung eines Themas etwa durch Bilder, Texte, Bewegungsspiele oder Musik können helfen, den Gesprächsverlauf zu unterstützen, ohne ihn direkt zu bestimmen oder in eine Richtung zu lenken. So können Sie Ihren Kindern behutsam helfen, selbstständig Antworten auf ihre Fragen zu finden und dabei ihre eigene, ganz persönliche Ausdrucksweise und Sprache zu entwickeln.


Über das Thema Freundschaft philosophieren

Zunächst führt eine kurze Geschichte zum Thema Freundschaft in die Philosophie-Runde ein. Anschließend geht es an die Forscherfragen. Zum Beispiel:

1. Warum sind Freunde wichtig?
2. Was macht einen Freund zu einem Freund?
3. Was würde es für dich bedeuten, wenn dein Freund dich anlügen würde?



Zum Weiterlesen:
Gerhard Friedrich, Viola de Galgóczy und Cornelia Klein
Mit Kindern philosophieren
Gemeinsam staunen – fragen – verstehen
Beltz, 2013


Weitere Informationen zu den Autoren unter www.ifvl.de


Foto: lanych / shutterstock.com
 

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