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Für die Praxis › Gesundheit & Ernährung
Veröffentlicht am 02.03.2017  Geschrieben von Redaktion

Fasten in anderen Kulturen

Die Fastenzeit beginnt heute am Aschermittwoch – zumindest im christlichen Kulturkreis. Worauf ErzieherInnen bei der Vermittlung des Fastenthemas achten sollten und wie in anderen Religionen gefastet wird, etwa bei Juden oder im Islam, erfahrt ihr im KitaClub.
Heute haben viele der Kinder in Kitas einen anderen als den christlichen Wertehintergrund, beispielsweise den Islam oder das Judentum. Erzieherinnen sollten daher darauf achten, kirchliche Feiertage nicht nur zu begehen und zu erklären, sondern wirklich alle Kinder der Gruppe „mitzunehmen“. Dabei ist zu bedenken, dass nicht jedes Kind über ein Grundwissen in Bezug auf christliche Feiertage verfügt. Vielleicht bestehen bei manchen Kindern sogar Vorurteile, Unsicherheiten und Missverständnisse, die aus der andersgläubigen Herkunftsfamilie übernommen werden. Auch ist darauf zu achten, dass den Kindern, die einer anderen Religionsgemeinschaft angehören, durch das Nicht-Thematisieren ihrer eigenen Religion eine geringe Wertschätzung vermittelt wird. Oder dass bei dem Thema sogar ungewollt eine Ausgrenzung oder Stigmatisierung innerhalb der Gruppe entsteht.

Wie also den Spagat zwischen eigener Kulturvermittlung und Berücksichtigung der anderen Kulturen und Religionen schaffen? Als Erzieherin kann man derartige Feiertage als Aufhänger nutzen um multikulturelles Wissen zu transportieren und Wertevielfalt greifbar zu machen. In der Diversität der Kinder liegt eine große Chance – für alle Kinder der Gruppe! Lasst eure Kinder also gerade auch durch das Besprechen von religiösen Themen von der vorhandenen Vielfalt profitieren und über ihre Verschiedenheit auch ihre Gemeinsamkeiten kennenlernen. Und die gibt es gerade beim Thema Fastenzeit. Denn fast alle Religionen kennen dieses Ritual, das der Reinigung von Körper und Geist dient.  
 

Das christliche Fastenritual

Für die Christen beginnt die Fastenzeit am Aschermittwoch und sie dauert 40 Tage. Der Begriff Karneval leitet sich von „carne vale“ ab, das Abschied vom Fleisch(essen) bedeutet. Nach dem ausgiebigen Feiern der Faschingszeit, wird für mehr als sechs Wochen, bis zum Osterfest, gefastet.

Die 40 Tage ergeben sich dadurch, dass die Sonntage vom Fasten ausgenommen sind. Sie erinnern an Jesus 40 Tage in der Wüste. Während der Fastenzeit soll der Leidensweg von Jesus Christus nachempfunden werden. Da Jesus an einem Mittwoch verraten und an einem Freitag gekreuzigt worden sein soll, kommt diesen beiden Wochentagen eine spezielle Bedeutung zu: Wer nicht an allen 40 Tagen auf Fleisch verzichten möchte, kann es dafür an diesen beiden Wochentagen tun. Am Ostersonntag feiern Christen schließlich Jesus Auferstehung und die Fastenzeit ist zu Ende.
 

Fasten im Islam

Fasten ist für Muslime eine Art des Gottesdienstes und gehört zu den fünf Säulen des Islam. Der Fastenmonat Ramadan, der heiligste Monat, verschiebt sich jedes Jahr um zehn oder elf Tage nach vorne. Grund dafür ist der islamische Mondkalender, der zwar 12 Monate umfasst, jedoch um zehn oder elf Tage kürzer ist als der gregorianische Sonnenkalender.

Da Muslime von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nichts essen und trinken dürfen, ist das Fasten im Sommer eine größere Herausforderung als im Winter. Wenn die Sonne untergegangen ist, wird das Fasten gebrochen. In der Morgendämmerung, sobald man einen weißen Faden (Licht) von einem schwarzen Faden (Dunkelheit) unterscheiden kann, verzichten Muslime wieder auf Nahrung und Getränke. Das Fasten dient der körperlichen und auch der seelischen Reinigung.

Dieses Jahr ist Ramadan vom 17. Juni bis 17. Juli. Das anschließende Fastenbrechen-Fest dauert drei Tage und wird auch „Zuckerfest“ genannt, weil Kinder von Familie und Freunden Süßigkeiten und kleine Geschenke bekommen.
 

Fasten im Judentum

Im Judentum gibt es keine mehrwöchige Fastenzeit wie im Islam oder im Christentum. Juden begehen verschiedene – meist eintägige – Fastenzeiten. Jom-Kippur, der Versöhnungstag, ist der größte Fest- und Fastentag der Juden. An diesem Tag essen und trinken sie nicht, waschen sich nicht und arbeiten nicht. Der Tag dient zur Versöhnung mit Gott und seinen Mitmenschen, und der Sühne aller begangenen Sünden. Jom Kippur findet kurz nach dem jüdischen Neujahrfest statt. Dieses Jahr fällt der Tag auf den 23. September. In Israel steht an diesem Tag das Leben still.

Fünf weitere Fastentage, Zom Gedaljia, 10. Tewet, Fasten Esther, Tamus und Tischa BeAw, werden über das Jahr verteilt begangen und gedenken tragischen Ereignissen in der Geschichte des jüdischen Volkes. Manche Juden fasten auch an ihrem Hochzeitstag oder am Todestag ihrer Eltern.


Weitere Praxisideen zum Thema Fastenzeit in der Kita findet ihr HIER.



Foto: Dmitry Berkut/Shutterstock.com
 

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